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Borgman

Der diskrete Charme der Kleinfamilie

In das traute Vorstadtidyll einer wohlhabenden Kleinfamilie nistet sich der Landstreicher Borgman (Jan Bijvoet) ein. Was folgt, ist ein traumgleicher, familiärer Psychotrip, bei dem der Fremde nicht nur die Mutter, sondern bald auch Kinder und Kindermädchen in den Bann des Bösen zieht und dabei die Verlogenheit bürgerlicher Wertvorstellung an die Oberfläche befördert.

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In das traute Vorstadtidyll einer Kleinfamilie nistet sich der Landstreicher Borgman (Jan Bijvoet) ein, der anfangs nur klingelt, um nach einem Bad zu fragen. Während er vom Hausherrn Richard nicht nur abgewiesen, sondern gleich noch verprügelt wird, öffnet ihm diese Niederlage den Weg ins Haus. Denn Ehefrau Marina hat ein schlechtes Gewissen und bringt den Fremden heimlich im Gartenhaus unter – ein kleiner Moment der Befreiung für die gelangweilte Hausfrau und Mutter. Das ist das Anfangsszenario des Films BORGMAN von Alex Van Warmerdam. Was folgt, ist ein traumgleicher, familiärer Psychotrip, der nicht nur die Mutter, sondern bald auch Kinder und Kindermädchen in den Bann des Bösen zieht, das sich virusgleich im Haus ausbreitet, die Familienstrukturen nach und nach zersetzt und dabei die Verlogenheit bürgerlicher Wertvorstellung an die Oberfläche befördert. Schon in früheren Arbeiten widmete sich der niederländische Regisseur (DIE LETZTEN TAG DER EMMA BLANK, 2009) dem Kleinbürgertum. Dieses Mal arbeitet rückt er in surrealer Manier eine wohlhabende Kleinfamilie ins Zentrum, die sich etwa mit von Kinderhand gemachten Teddys das Gewissen frei zu kaufen versucht. Weder fragen Marina und Richard, woher Borgman kommt, noch leisten sie irgendwelche Gegenwehr, als er weitere Kumpanen ins Haus holt. Ohnehin wird zu keiner Zeit ein Anhaltspunkt geliefert, was es mit diesem Mysterium auf sich hat. Gekonnt lässt van Warmerdam Lücken in seiner Inszenierung und lockt damit den Zuschauer nicht nur auf falsche Fährten, sondern beraubt ihn – hier im Sog des Bösen – gänzlich seiner Orientierung. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, Buñuel (DER DISKRETE CHARME DER BOURGEOISIE) hätte kurz mit am Drehbuchtisch gesessen.

Eileen Reukauf

Details

Dänemark/Niederlande/Belgien 2014, 113 min
Sprache: Niederländisch
Genre: Thriller
Regie: Alex van Warmerdam
Drehbuch: Alex van Warmerdam
Kamera: Tom Erisman
Schnitt: Job ter Burg
Musik: Vincent van Warmerdam
Verleih: Pandastorm Pictures
Darsteller: Hadewych Minis, Alex van Warmerdam, Jeroen Perceval, Jan Bijvoet, Tom Dewispelaere, Sara Hjort Ditlevsen, Elve Lijbaart
FSK: 16
Kinostart: 02.10.2014

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