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Blue Bayou

Maximale Emotionalität

Als Antonio, der als koreanisches Adoptivkind in einer US-amerikanischen Familie aufgewachsen ist, wegen einer Kleinigkeit in Konflikt mit der Polizei gerät, landet er in unversehens in Abschiebehaft.

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BLUE BAYOU hat mich an MOONLIGHT erinnert. Nicht so sehr, weil auch in diesem Film marginalisierte Personen ins Zentrum rücken und zu Identifikationsfiguren werden, sondern wegen der großen Bandbreite von Gefühlen und (Farb)stimmungen, die Justin Chon als Regisseur und Hauptdarsteller in seine überbordende, herzzerreißend traurige, wahnsinnig wütend machende und trotzdem auch von Warmherzigkeit durchzogene Geschichte verwebt. Es geht um Antonio LeBlanc (von Chon selbst gespielt), dessen Leben man als prekär aber glücklich beschreiben könnte. Er arbeitet in einer kleinen Tattoo-Butze und sucht einen besser bezahlten Job, er liebt seine Frau Kathy (Alicia Vikander), die ein Kind von ihm erwartet. Besonders eng ist die Beziehung zu seiner ungefähr siebenjährigen Stieftochter Jessie (Sydney Kowalske), vielleicht auch, weil Antonio als koreanisches Adoptivkind US-amerikanischer Eltern aufgewachsen ist und um Verlust- und Bindungsängste weiß.

Chon zeichnet die Idylle in wärmsten Südstaatenfarben und baut bezaubernde Sonnenuntergänge ein, wo immer es geht. Und dennoch ist von Anfang an klar, dass es nur eines Windhauchs bedarf, um das Glück zersplittern zu lassen. Stattdessen kommt ein Sturm: Wegen einer Lappalie und einer alten Eifersucht (Kathys Ex ist ein Cop) landet Antonio in Untersuchungshaft – und dann in Abschiebehaft. Wegen einer Gesetzeslücke kann er abgeschoben werden, auch wenn er als Kind amerikanischer Eltern aufgewachsen ist und keinerlei Verbindung zu Korea hat. Er muss nun vor Gericht beweisen, dass er ein „wertvoller“ Mitbürger ist. Doch Antonio ist vorbestraft, den Kontakt zu seinen missbräuchlichen Adoptiveltern hat er lange abgebrochen, und woher soll das Geld für den Anwalt kommen?

Präzise und glaubhaft erzählt BLUE BAYOU von Beziehungen und Gefühlen. Von Antonios Wut, seiner Verzweiflung und seiner Verlorenheit zwischen einer Kultur, die ihn nicht will und einer, die er nicht kennt, von Kathys Gefühlen der Entfremdung von ihrem mit sich selbst beschäftigten Mann, von Jessies Angst, noch einen Vater zu verlieren, aber auch von Momenten der Verbundenheit. Gleichzeitig lässt Chon keine melodramatische Wendung aus, inszeniert mit großer Wucht und maximaler Emotionalität. Wenn Antonio nicht mehr weiterweiß, rast er mit seiner Ducati durch die Nacht. Wenn Kathy auf der Familienfeier einer an Krebs erkrankten vietnamesischen Freundin Antonios schließlich „Blue Bayou“ singt, ist das so ein Moment, wo man als Zuschauerin wegen Gefühlsmanipulation aussteigen könnte. Oder man geht mit.

Hendrike Bake

Details

USA 2021, 119 min
Genre: Drama
Regie: Justin Chon
Drehbuch: Justin Chon
Kamera: Ante Cheng, Matthew Chuang
Schnitt: Reynolds Barney
Musik: Roger Suen
Verleih: Universal Pictures
Darsteller: Justin Chon, Alicia Vikander, Mark O'Brien, Brad Blanchard
Kinostart: 10.03.2022

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