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Bliss

Zwischen Blackout und Höllentrip

Dezzy, eine Künstlerin mit Malblockade und drohender Wohnungslosigkeit, erlebt durch eine neue Superdroge zwischen ihren Blackouts immer extremere Fragmente eines Höllentrips.

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Für Menschen, die wie ich in den späten 1990ern viele direct-to-video Horrorfilme geschaut haben, bietet BLISS ein interessantes Suchspiel: Ist dies wirklich ein aktueller Film? Außer einer modernen Nutzung von „Hipster“ als Beleidigung und einer Sexszene, die 1998 wahrscheinlich noch etwas zurückhaltender gedreht worden wäre, gibt es keine Anhaltspunkte, dass der Film nicht aus dem letzten Jahrhundert stammt. Diese Unklarheit dürfte gewünscht sein, da Joe Begos den Film auf Super-16 mit allen seinen Macken gedreht hat. Die Szenen spielen in wenigen Wohnräumen, Kneipen und Clubs voller Menschen in Leder und Sonnenbrillen, zwischen denen die Malerin Dezzy (Dora Madison, DEXTER) in ihrem Vintage-Cabriolet über die Highways von L.A. fährt. Alles ist in starken Farben beleuchtet oder durch Farbfilter gedreht, und jeder Innenraum kennt nur die Zustände „hart ausgeleuchtet“ und „voller ominöser Schatten“. Hier verlässt Dezzy die Realität, in der sie sich mit mit einer Malblockade und drohender Wohnungslosigkeit herumschlägt, und erlebt durch eine neue Superdroge immer extremere Fragmente eines Höllentrips. Ihre Wachphasen sind schon bald sehr blutig, aber dafür vollendet sie während der folgenden Blackouts Stück für Stück das Gemälde, an dem sie vorher lange scheiterte. So könnte es bis zur Vernissage fertig sein, aber je mehr sich das Bild in seiner infernalischen Glorie zeigt, desto wahrscheinlicher ist es, dass für die Inspiration ein Preis zu zahlen ist. Auf diese Thematik, Ästhetik und die Erzählweise muss man sich einlassen, aber nicht erst bei einer Hommage an Raimis EVIL DEAD ist klar, dass das Team hinter dem Film viel Liebe für die alten B-Movies der späten VHS-Tage empfindet und sie so ironiefrei reproduziert, dass es ehrlich und nicht einfach ein peinlicher Abklatsch wird.

Christian Klose

Details

USA 2019, 80 min
Sprache: Englisch
Genre: Horror
Regie: Joe Begos
Drehbuch: Joe Begos
Kamera: Mike Testin
Schnitt: Josh Ethier
Musik: Steve Moore
Verleih: Drop-Out Cinema
Darsteller: Dora Madison Burge, Tru Collins, Rhys Wakefield, Jeremy Gardner
Kinostart: 20.02.2020

Website
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