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Billie – Legende des Jazz

Komplexe Biografie

Beruhend auf fast 200 Stunden Tonbandmaterial, das die Journalistin Linda Lipnack Kuehl in den siebziger Jahren zusammentrug, entwirft der Dokumentarfilm BILLIE ein komplexes, widersprüchliches Bild der Sängerin Billie Holiday

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Die Journalistin Linda Lipnack Kuehl arbeitete von 1971 bis zu ihrem Tod durch einen mysteriösen Sturz aus dem Fenster ihrer Wohnung 1979 an einer Biografie von Billie Holiday. Rund 200 Stunden Tonband- und Kassettenaufnahmen von Interviews, die Kuehl mit Holidays Freund*innen, Wegbegleiter*innen, darunter zahlreichen Jazz-Größen und sogar den FBI-Agenten, die Holiday verfolgten und verhafteten, führte, bilden die Basis des Dokumentarfilms BILLIE von James Erskine.
Das Bild der Sängerin, das aus den oft widersprüchlichen Aussagen entsteht, ist keineswegs geschlossen, aber das ist gerade die Stärke des Films. BILLIE versucht, der Sängerin gerecht zu werden, ohne sie auf ihre Bühnenrolle oder ihre Biografie – sie war die Tochter eine Bordellbesitzerin und prostituierte sich selbst bereits als Teenagerin – festzulegen.
Holidays künstlerisches Programm und die Entwicklung ihres Stils werden vor allem von ihren Mitmusiker*innen beschrieben. Holiday sagt, sie sei aus der Band von Archie Shaw ausgestiegen, weil sie dort immer nur Blues singen sollte. Der Film selbst verfällt aber ebenfalls der Verführungskraft von Holidays blues-lastigen, langsamen Songs wie „My Man“, „God Bless the Child“ oder „Fine Mellow“, die auch wegen der brutalen Beschreibung der Geschlechterverhältnisse beeindrucken. Aber Billie Holiday wollte, dass ihre Stimme klingt wie die Trompete von Louis Armstrong. Diesen triumphalen und perkussiven Sound hat Billie Holiday vor allem in schnellen Swing-Nummern wie „Them There Eyes“, die es nicht in den Soundtrack des Films geschafft haben. Das ist so verständlich wie schade, denn Billie Holiday gehörte eben auch der Groove. Anders ihr Meisterwerk, der erschütternde Song „Strange Fruit“ (1939), der Szenen eines Lynchens mit Klischees des „galanten Südens“ kontrastiert, und die rassistischen US-Behörden gegen Billie Holiday aufbrachte.
BILLIE spürt der Selbstbehauptung der Künstlerin nach.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Billie
Großbritannien 2019, 96 min
Genre: Dokumentarfilm, Biografie
Regie: James Erskine
Kamera: Frédérique Leroy
Musik: Hans Mullens
Verleih: Prokino
FSK: 12
Kinostart: 11.11.2021

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Billie - Legende des Jazz

(Billie) | Großbritannien 2019 | Dokumentarfilm, Biografie | R: James Erskine | FSK: 12

Beruhend auf fast 200 Stunden Tonbandmaterial, das die Journalistin Linda Lipnack Kuehl in den siebziger Jahren zusammentrug, entwirft der Dokumentarfilm BILLIE ein komplexes, widersprüchliches Bild der Sängerin Billie Holiday

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