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Berlin Telegram

Darling, verlass mich nicht

BERLIN TELEGRAM der Sängerin Leila Albayati ist sicher der romantischste Film über die junge internationale Szene in Berlin.

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Leila Albayati singt mit einer französischen Indie-Rockband – Gitarre, Cello, Schlagzeug, Gesang, ein bisschen Patti Smith, ein bisschen Velvet Underground – einen intensiven Trennungssong auf Englisch. Tage am Telefon, Darling, verlass mich nicht. Darling heißt Antoine und hat sie trotzdem verlassen. Leila heult, schmeißt Dinge um und beginnt vor dem Spiegel ein Videotagebuch, halb als Rache an Antoine, der das irgendwann sehen und sich dabei schlecht fühlen soll, halb, weil man halt manchmal solche Sachen macht, wenn es sein muss. Leila fährt nach Berlin. Auf der Fahrt ist im Hintergrund ihre todtraurige Version von Nancy Sinatras „Bang Bang“ zu hören. Leila Albayatis Film BERLIN TELEGRAM ist aber durchaus kein Videotagebuch, sondern ein sehr cooler und sehr romantischer Filmessay über Liebeskummer und wie man darüber hinwegkommt. Berlin, das Leila als eine Stadt wahrnimmt, in der es keine alten Leute gibt und in der alle irgendwie Musik oder Kunst machen, funktioniert dabei als eine Art Intensitätstrafo, so wie das früher einmal Paris im Film gewesen ist.
Leila lernt in Berlin das urbane Fahrradfahren, sucht einen Proberaum, redet mit neuen Freunden und Freundinnen über den Schuft Antoine, bekommt ein Keyboard geschenkt, lernt Gitarre spielen, gründet eine neue Band, trifft einen schönen Melancholiker, schreibt neue Songs und tritt in Brüssel auf, wo ihre Version von „Bang Bang“ zu einem wütenden, selbstbewussten Noise-Getöse anschwillt. Schließlich besucht sie ihre Familie in Kairo. Ihr Vater, ein Exil-Iraker, fasst seine Lebenserfahrung in einem arabischen Sprichwort zusammen: Ein Vogel, dem man den Kopf abgeschlagen hat, tanzt aus Schmerz weiter. Das Leben tut weh, deshalb muss man tanzen. Oder Musik machen. Oder an einen anderen Ort ziehen. BERLIN TELEGRAM ist sicher der romantischste Film über die junge internationale Szene in Berlin.

Hannes Stein

Details

Belgien 2012, 81 min
Genre: Drama, Roadmovie
Regie: Leila Albayaty
Drehbuch: Leila Albayaty, Marylise Dumont
Kamera: Michel Balagué, Christophe Bouckaert
Musik: Leila Albayati and guests
Verleih: Arsenal Institut
Darsteller: Hana Al Bayaty, Leila Albayaty, Tarek Atoui
Kinostart: 14.08.2014

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