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Eine moralische Entscheidung

Arzt im Dilemma

Ein iranischer Arzt, Chef einer Gerichtsmedizinischen Abteilung, touchiert auf einer nächtlichen Autofahrt ein Motorrad, ein Junge scheint leicht verletzt. Tags darauf liegt die Leiche des Jungen in der Gerichtsmedizin.

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Am Anfang steht eine Kollision der Klassen, im wörtlichen Sinn: Ein iranischer Arzt, Chef einer gerichtsmedizinischen Abteilung, touchiert auf einer nächtlichen Autofahrt ein mit einer vierköpfigen Familie besetztes Motorrad, das zu Fall kommt. Dr. Nariman versucht zu helfen und untersucht den jungen Sohn flüchtig, der benommen wirkt. Moosa, der Vater, sichert zu, den Jungen ins Krankenhaus zur Untersuchung zu fahren, Begleitung lehnt er ab. Tags darauf liegt die Leiche des Jungen in der Gerichtsmedizin, die Obduktion lässt auf eine Fleischvergiftung als Todesursache schließen. Die Grundkonstellation des Dilemmas, in dem sich der gutgestellte, gewissenhafte Arzt nun befindet, ist damit umrissen: Trägt er Schuld am Tod des Jungen? Soll er die Sache, einmal davongekommen, auf sich beruhen lassen? Moosa dagegen plagen eigene Schuldgefühle, ein paar Tage zuvor hatte er billiges Hühnerfleisch vom Schwarzmarkt gekauft. Das Umkippen seines Schmerzes in Wut fügt der Kette von Verstrickungen eine weitere Dimension hinzu.
Vahid Jahlivands zweiter, in Venedig mehrfach ausgezeichneter Spielfilm handelt von der Gegenwart einer spezifischen Gesellschaft, nähert sich ihr aber nicht in den groben Strichen einer auktorialen Diagnose, sondern hält ein subtiles melodramatisches Brennglas über die Mikroerzählungen auf sich allein gestellter Menschen, die in Abwesenheit vertrauenswürdiger Autoritäten mit Fragen von Schuld, Verantwortung und Trauer ringen. Ein Drama, das sich vorwiegend in präzise beobachteten, dialogischen Begegnungen entfaltet, immer wieder in der Begegnung mit dem Anderen die Konfrontation mit der eigenen Innerlichkeit aufspürt, und dem Publikum am Ende konsequenterweise die Frage, mit welchem Blick man auf die Welt sieht, und was man so darin zu erkennen meint, nicht abnehmen möchte.

Sebastian Markt

Details

Originaltitel: No Date. No Signature
Iran 2017, 104 min
Genre: Thriller, Mysterie
Regie: Vahid Jalilvand
Drehbuch: Vahid Jalilvand, Ali Zarnegar
Kamera: Morteza Poursamad, i Payman Shadmanfar
Verleih: farbfilm
Darsteller: Amir Aghaee, Zakieh Behbahani, Saeed Dakh, Navid Mohammadzadeh, Alireza Ostadi, Hediyeh Tehrani
FSK: 12
Kinostart: 20.06.2019

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