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Avatar: The Way of Water

Das Wasser war okay

Das Wasser ist so weit ordentlich animiert. Das Wasser ist das einzig halbwegs Belebte in diesem verschnarchten Panoptikum mit sprechenden Wachsfiguren vor Hintergründen wie in der Schwarzlicht-Kuschelecke einer Dorfdisco der siebziger Jahre.

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Rant mit Spoilern!

Ein fauler geschriebenes Drehbuch zu einem Blockbuster-Sequel als AVATAR: THE WAY OF WATER ist kaum vorstellbar. James Cameron, Rick Jaffa und Amanda Silver haben sich nicht einmal neue Protagonist*innen ausgedacht. Figuren, die im ersten Teil gestorben waren, wie der sadistische Oberschurke Colonel Quaritch, wurden einfach wiederbelebt. Sigourney Weaver als Kiri war im ersten Teil ebenfalls gestorben und begraben, aber hier liegt ihr Avatar plötzlich wie zur späteren Verwendung in einem Tank und gebiert ein Kind, damit wir eine magische Teenie-Sex-Sigourney im blauen Pandora-Look zu sehen bekommen. Ihre einzige Funktion in diesem Film ist es, einmal im wogenden Leuchtgras zu liegen, während sie eine Art transzendentalen Mediationssex mit dem Planeten hat.

Wohl auch, weil das Original-Studio 20th Century Fox zwischen Film und Fortsetzung vom Disney Konzern gekauft wurde, gibt es Disney-Kinder, Disney-Teens und Disney-Familienwerte, schließlich ist Weihnachten. Die Familie ist das stärkste Band, man muss seine Familie schützen, usw. Man mag Cameron zugutehalten, dass er immerhin eine Mixed-Race- und Patchwork-Familie zeigt.

Und es gibt Wasser. Das Wasser ist so weit ordentlich animiert. Das Wasser ist das einzig halbwegs Belebte in diesem verschnarchten Panoptikum mit sprechenden Wachsfiguren vor Hintergründen wie in der Schwarzlicht-Kuschelecke einer Dorfdisco der siebziger Jahre.

Die Geschichte ist mit der des ersten Films über weiteste Strecken identisch, nur dass den Schurken jetzt eine plausible Motivation fehlt. Hier geht es nur noch darum, Jake Sully zur Strecke zu bringen, den gelähmten US-Soldaten, der im ersten Film über seinen Avatar die Bewohner einer Siedlung auf dem Planeten Pandora dazu überreden sollte, umzuziehen, weil das Militär eine Mine auf dem von ihnen bewohnten Gelände errichten wollte. Sully wurde zum Anführer einer Rebellion der Indigenen, und am Ende tauschte er in einem Ritual den alten, behinderten Körper endgültig gegen seinen neuen.

Was passiert hier also: Die „Sternenmenschen“ (Menschen) kehren zurück nach Pandora. Es gibt erste Verwüstungen, und Neytiri (Zoe Saldana) muss erneut so erschütternd schluchzen wie im ersten Teil. Die Familie flieht und muss in ihrer Zufluchtsstätte bei grünen Küstenbewohnern die gleichen Initiationsriten durchlaufen wie Jake im ersten Teil. Wieder werden fliegende Viecher geritten, dieses Mal muss auch noch Tauchen und Atmen geübt werden, und statt der Rivalität zwischen Jake und dem Häuptlingssohn gibt es eine Parallel-Geschichte zwischen seinem Sohn und dem Häuptlingssohn. Es gibt wieder Angriffe der Sternenmenschen, bei den wieder geschluchzt werden muss, dieses Mal von einer Frau in Grün, die das auch nicht schlechter macht als Zoe Saldana. Neu ist eine Variante des „Snipe-Hunting-Pranks“ („Schnepfenjagd-Scherz“), eines US-Pfadfinder-Rituals, bei dem das jüngste Mitglied unter einem Vorwand weit in die „Wildnis“ gelockt und dort allein gelassen wird. Das war in der Serie „Southpark“ interessanter, die außerdem vor Cameron auf die Idee gekommen war, den toten Kenny immer einfach wieder da zu sein lassen.

Überwältigende Landschaftsaufnahmen? Die einzelnen Schichten, in denen die Animationselemente übereinandergelegt sind, lassen sich in fast jeder Szene deutlich unterscheiden, Hintergründe kann ein handgezeichneter „Studio Ghibli“-Film auch nicht schlechter. Der Film sieht furchtbar aus, ungefähr so, wie man sich Christian Lindners Wohnung vorstellen würde, wenn der ein Hippie auf dem geistigen Niveau eines 12-Jährigen wäre.

Während der Wartezeit auf das unvermeidliche Finale, in dem sich wieder Jake und der Colonel gegenüberstehen, wird man ungefähr so gut unterhalten wie beim Lesen von „National Geographic“ im Sprechzimmer einer Zahnarztpraxis. Es soll noch weitere Sequels geben, und Cameron hat behauptet, das vierte wäre „total verrückt“. Mit etwas Glück gibt es ja etwas völlig Überraschendes, zum Beispiel ein Handlungselement, das wir nicht schon 13 Jahre zuvor genau so gesehen haben. Cameron hat diese Art der Sequels in den achtziger und neunziger Jahren mit dem TERMINATOR-Franchise erfolgreich durchgezogen: Die Filme waren nahezu identisch, die Figuren und Plotpoints dieselben, einige neue Effekte und Stunts kamen in jedem Film hinzu. Seitdem hat sich die Welt weitergedreht, und auch Franchise-Serien werden heute oft in direkter Folge gesehen. Da muss mehr kommen als sehr viel Wiederholung und ein wenig Variation mit niedrigem Einsatz in der zweiten Umdrehung der Schraube. Ob hier jemand stirbt, ist völlig egal. Die erwachsene Sigourney Weaver wird gewiss in einem der nächsten Sequels auch noch aus ihrem Wassertank steigen. Dann hätten wir eine „total verrückte“ Doppelrolle. Crazy.

AVATAR ist ein hässlicher, langweiliger, unglaublich denkfauler Film. Das Wasser war okay, wie gesagt, aber wenn ich Wasser sehen will, kann ich mir auch eine Badewanne einlassen. Viele Leute werden den Film lieben. Da kann man nichts machen.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Avatar 2: The Way of the Water
USA 2022, 192 min
Genre: Animation, Fantasy
Regie: James Cameron
Drehbuch: James Cameron, Josh Friedman
Verleih: DISNEY
Darsteller: Zoe Saldana, Kate Winslet, Michelle Yeoh
Kinostart: 14.12.2022

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3D: Avatar: The Way of Water

(Avatar 2: The Way of the Water) | USA 2022 | Animation, Fantasy | R: James Cameron

Das Wasser ist so weit ordentlich animiert. Das Wasser ist das einzig halbwegs Belebte in diesem verschnarchten Panoptikum mit sprechenden Wachsfiguren vor Hintergründen wie in der Schwarzlicht-Kuschelecke einer Dorfdisco der siebziger Jahre.

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