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INDIEKINO BERLIN: Filmkritik Aus einem Jahr der Nichtereignisse
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Aus einem Jahr der Nichtereignisse

Bilder, Momente, Blicke

Ann Carolin Renninger und René Frölke haben einen Film über den alten Bauer Willi gedreht, auf 8 und 16mm, über ein Jahr verteilt, in dem äußerlich wenig passiert.

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Materialität des Lebens: Das Fell der Katze, ganz groß, und das Rauschen der Blätter im Wind und das Spiel, das der Schatten an die Mauer wirft. Die Mühe des Gehens am Rollator, über den Hof, durch das Gestrüpp, aber auch die Konstanz der Bewegung, das Weitergehen, das Nicht-Aufhaltenlassen. Was sich so ansammelt in einem Haus, in einem Leben, und drumherum. Die Erzählungen, wie hoch die Schwalben fliegen und Erinnerungen an Italien, den Krieg, und wieder zurück in den Tag. Eine Geburtstagstorte zum 90. und Gespräche, die dabei ganz ohne Pathos auf den Tod kommen. Das Ticken des Sekundenzeigers auf mehr als einer Uhr.
Materialität des Kinos: Das Korn des Bildes, das Rattern der Kamera, manchmal im Hintergrund, das Flirren der Farben, und das Zittern der Bilder, die Länge der Momente, die von der Länge der Rollen abhängt, auf die man sie bannen kann. Und die Schwärze des Bildes, wenn das Bildermachen gerade nicht ging.
Man könnte so vieles schön nennen an diesem Film, den Ann Carolin Renninger und René Frölke über den alten Bauer Willi gedreht haben, auf 8 und 16mm, über ein Jahr verteilt, in dem äußerlich wenig passiert: Seine Bilder und Momente, seine Blicke und das Verhältnis zu einem Menschen, die sie stiften. Alles eigentlich, all das Flüchtige, das ein unberechenbares Licht in den Tag zeichnet, und auch noch die eingefügten Brüche, die verhindern, dass etwas zur Idylle einfriert. Schönheit ist aber nicht, worauf er aus ist. Sie ist viel eher etwas, das sich bei dem Versuch einstellt, auf den Spuren einer ganz spezifischen Idee von Kino den Spuren eines Lebens zu folgen, eines Lebens das klein sein mag im Maßstab der Welt, aber groß auf der Leinwand. Bruchstücke und Nichtereignisse, die sich im Kino zu einem Mosaik fügen, das ein Ereignis ist.

Sebastian Markt

Details

Deutschland 2018, 83 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Ann Carolin Renninger, René Frölke
Kamera: René Frölke, Ann Carolin Renninger
Schnitt: René Frölke
Verleih: Wolf Kino
Kinostart: 14.06.2018

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