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Auch Leben ist eine Kunst – Der Fall Max Emden

Freie Liebe und Raubkunst

An den Hamburger Unternehmer Max Emden erinnert in seiner Heimatstadt nur noch ein Joggingpfad. Der Immobilien- und Kunstbesitz Emden wurde im Rahmen der „Arisierung“ enteignet oder zwangsverkauft und bis heute größtenteils nicht zurückerstattet.

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An den Hamburger Unternehmer Max Emden erinnert in seiner Heimatstadt nur noch ein Joggingpfad. Emdens Garten heißt heute „Loki-Schmidt-Park“, das Gelände des Polo-Clubs, das einmal Emden gehörte, gehört heute ebenfalls der Hansestadt. Beides rückt sie nicht wieder heraus, obwohl Emden einst im Zug der „Arisierung“ zum Verkauf gezwungen wurde. Auch die Bundesregierung sitzt noch auf Gemälden aus Emdens Sammlung, darunter eine berühmte Dresdner Stadtansicht von Belotto, die auf direkten Auftrag Adolf Hitlers zum Schleuderpreis von der später ermordeten jüdischen Kunsthändlerin Anna Caspari gekauft wurde.
Der Hamburger Unternehmer Max Emden entstammte einer traditionsreichen jüdischen Familie, war aber evangelischer Konfession und Eigentümer zahlreicher großer Kaufhäuser, darunter des Berliner KaDeWe und des Münchner Kaufhauses Pollinger. Er baute das Handelshaus seiner Familie zu einem internationalen Franchise-Konzern aus. 1926 kaufte er die Brissago-Inseln im Lago Maggiore. Emden beließ seinen Firmensitz in Hamburg und führte auf seinen Inseln, auf denen er einen Palazzo errichten ließ, und in der Künstler-, Nudisten und Intellektuellenenklave auf dem Monte Verita bei Ancona ein sehr liberales Millionärsleben mit Motorbooten, „freier Liebe“ und jungen Frauen. Aber ab 1933 galt Emden in Deutschland als Jude und sein riesiger Immobilienbesitz wurde nach und nach „arisiert“, zwangsverkauft oder enteignet. Große Teile seiner Kunstsammlung landeten beim deutschen Rüstungsfabrikanten Georg Bührle. Max Emden starb 1940, seine Familie floh nach Chile. Nach dem Krieg brachten die bundesdeutschen Behörden und die neuen Eigentümer alle Mittel auf, um den Besitz der Familie Emden nicht restituieren zu müssen. Max Emdens Enkel, Juan Carlos Emden, führt durch den Film und begleitet das Regieduo Eva Gerberding und André Schäfer an die Lebensstätten seines Großvaters.

Hannes Stein

Details

Deutschland 2018, 90 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Eva Gerberding, André Schäfer
Drehbuch: Eva Gerberding, André Schäfer
Kamera: Bernd Meiners, Andy Lehmann, Harald Rammler
Schnitt: Fritz Busse
Verleih: Real Fiction Filmverleih
Kinostart: 25.04.2019

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