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And-Ek Ghes...

Nähe zum Subjekt

Bei den Dreharbeiten zu REVISION lernte Philip Scheffner die rumänische Familie Velcu kennen. Inzwischen versuchen die Velcus, unterstützt von Scheffner, in Berlin Fuß zu fassen. AND-EK GHES… ist ein kluges Porträt dieses Versuchs, das sich immer auch über Gedanken über die Rolle des Filmemachers in einer solchen Konstellation macht.

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Gleich mit zwei Filmen war Philip Scheffner in diesem Jahr im Forum der Berlinale vertreten, bzw. mit anderthalb. Denn während er den brillanten HAVARIE allein verantwortete, teilte er sich bei AND-EK GHES… die Regie mit Colorado Velcu. Wer mit Scheffners Oeuvre vertraut ist, wird den Rumänen und seine Familienmitglieder aus REVISION kennen, ein Essayfilm, in dem Scheffner 2012 ein ungeklärtes Verbrechen an der deutsch-polnischen Grenze aus vielen Perspektiven unter die Lupe nahm. Bei den Recherchen kam er auch nach Rumänien, wo die Familie Velcu in ärmlichen Umständen lebte. Inzwischen sind sie nach Berlin übergesiedelt, wo sie von Scheffner beim Versuch unterstützt werden, die oft undurchschaubare deutsche Bürokratie zu meistern - und zu Figuren eines Films wurden, der die offensichtliche Nähe eines Filmemachers zu seinen Subjekten offensiv thematisiert.
Schon immer ging es Scheffner bei seinen klugen Filmen auch um das Hinterfragen von Bildern, von scheinbar offensichtlichen Wahrheiten, nicht zuletzt auch um die Reflexion seiner eigenen Rolle als Außenstehender, Beobachtender, der doch auf die eine oder andere Weise auch Einfluss nimmt. In AND-EK GHES… wird diese Meta-Ebene immer wieder angedeutet, werden die Familienmitglieder gezeigt, wie sie über den Film diskutieren, an dem sie teilnehmen, sind mal Scheffner und seine Kamera im Bild, mal der Vater Colorado, seine Frau oder Kinder, die sich filmen und in Pose werfen. Dass manche von ihnen hoffen, als Sänger oder Schauspieler Erfolg zu haben, verstärkt den performativen Charakter des Films, der aber immer wieder auch als ganz klassischer Dokumentarfilm über den schwierigen Versuch funktioniert, in Deutschland Fuß zu fassen. Dass diese erzählerische und filmische Vielfalt nie aufgesetzt wirkt, die Komplexität nie ausgestellt wird, macht AND-EK GHES… erst recht zu einem bemerkenswerten Film.

Michael Meyns

Details

Originaltitel: And-ek ghes...
Deutschland 2016, 94 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Philip Scheffner, Colorado Velcu
Drehbuch: Philip Scheffner, Colorado Velcu, Merle Kröger
Kamera: Bernd Meiners
Schnitt: Philip Scheffner
Verleih: Grandfilm
Kinostart: 22.09.2016

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