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Aloys 

Aufbruch ins Imaginäre

Der Privatermittler Aloys Adorn praktiziert auch zuhause das Unsichtbarsein. Statt ein eigenes Leben zu führen, vertieft er sich in die Akten seiner Klienten. Dann ruft ihn eines Tages eine seltsame Frau an, die ihn seinerseits observiert, und ihn auf „Telefonwanderungen“ ins Imaginäre mitnimmt.

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Eine Anleitung zum Unsichtbarsein hängt in der Wohnung des Privatermittlers Aloys Adorn. Diese sagt er sich laut auf, und nach dieser lebt er auch. Sich in Telefonzellen herumdrücken, fremdgehende Ehemänner filmen - das ist sein Beruf. Später auf dem Sofa sitzen und sich die Aufnahmen immer wieder anschauen - das ist sein Hobby, wie Aloys später freimütig zugeben wird. Doch der Voyeurismus des Aloys Adorn ist kein lustvoller. Aloys dringt in die Privatleben fremder Menschen ein, weil er kein eigenes hat. Im direkten Kontakt agiert er mürrisch und unsicher. Vorsichtig schiebt er sich in Ecken und an Wänden entlang, schnell schließt er hinter sich ab. Jeder Blickkontakt scheint seine Existenz zu hinterfragen. Das Wort „Ich“ kommt ihm kein einziges Mal über die Lippen. Aloys besteht aus dem Erbe seines Vaters, ebenfalls Privatermittler, und aus den Leben seiner Klienten - und schließlich auch aus der Frau am Telefon, die ihn herausfordern und aus der leeren Hülle seines Lebens heraustreiben will. Diese Frau, Vera, dreht den Spieß um. Aus dem Voyeuristen wird der Beobachtete, Verletzliche. Doch hat es Vera nicht auf ihn abgesehen. Mithilfe des „Telefonwanderns“ ermöglicht sie ihm einen Ausweg aus seiner Scheinexistenz: Ob Hypnose, Entspannungsübung oder Spielerei – mit Vera reist Aloys in imaginäre Räume, verliebt sich dort in sie und beginnt seine Wandlung. Während die Geschichte auf recht vertrauten Bahnen wandelt, wird ALOYS stark durch seine ästhetische Inszenierung. Die strenge, piefige Kulisse einer Schweizer Plattenbausiedlung, die konservierte Wohnung von Adorn Senior, die akribische Sammlung von Überwachungsvideos auf der einen Seite und der imaginäre, verheißungsvolle Wald auf der anderen sind schön ausgestaltete Entsprechungen zu Aloys‘ Innenleben. Gekonnt und mit ein bisschen Witz inszeniert Nölle das Ineinandergreifen von Realität und Fiktion und erzeugt so interessante Brüche in der Romanze.

Yorick Berta

Details

Originaltitel: Aloys
Schweiz 2016, 91 min
Genre: Drama, Krimi
Regie: Tobias Nölle
Drehbuch: Tobias Nölle
Kamera: Simon Guy Fässler
Schnitt: Myriam Flury, Tobias Nölle
Musik: Tom Huber, Beat Jegen
Verleih: Film Kino Text
Darsteller: Georg Friedrich, Tilda von Overbeck
FSK: 12
Kinostart: 24.11.2016

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