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Alice Schwarzer

Eine Art Selbstporträt

In einer virtuosen Montage, die geschmeidig zwischen den Zeiten springt, erzählt Sabine Derflingers Dokumentarfilm vom politischen Werdegang Alice Schwarzers.

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In einer souveränen Montage, die geschmeidig zwischen den Zeiten springt, erzählt Sabine Derflingers Dokumentarfilm vom politischen Werdegang Alice Schwarzers. Erzählerin ist die Porträtierte dabei quasi selbst, wenn sie in zahlreichen historischen und aktuellen, für den Film gedrehten Interviews Auskunft gibt – über ihre Politisierung in Frankreich als Teil des MLF (Mouvement pour la libération des femmes), über die Kindheit bei den Großeltern in Wuppertal und über Meilensteile ihres Engagements darunter unter anderem ihr in 12 Sprachen übersetztes Buch „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“, die Gründung der Emma im Jahr 1977, die Klage gegen den Stern wegen seiner Darstellung von Frauen als Sexualobjekte (O-Ton Nannen: „Wir machen das nur, wenn es inhaltlich geboten ist.“), die Kampagne gegen den § 218, und die Berichterstattung für die Bildzeitung über den Kachelmann-Prozess. Auch Schwarzers enge Verbundenheit zu Feministinnen in Frankreich, Algerien und Iran kommt vor, und ihr Leben in den Medien – sei es als Zeitungsmacherin, Moderatorin, Lieblings-Hassobjekt, Talkshowgast oder Medienkritikerin. Schwarzer ist streitbar und zugleich jovial. Sie plaudert sichtlich gerne, kommt an jeder Ecke mit Leuten ins Gespräch und nimmt bereitwillig Stellung zu umstrittenen Positionierungen der Emma, wie der Haltung zum muslimischen Kopftuch (politisches Symbol) und zur Prostitution (das „skandinavische Modell“, das Freier bestraft, sollte umgesetzt werden). Die jüngsten Debatten um Selbstbestimmungsgesetz/trans Identität und den Ukraine-Krieg sind dagegen nicht mehr Teil des Films. Man hört ihr interessiert zu, aber es fällt nach einer Weile auch auf, dass man nahezu ausschließlich ihr zuhört. Gegenpositionen kommen nicht zu Wort. Damit ist ALICE SCHWARZER fast eine Art Selbstporträt.

Hendrike Bake

Details

Österreich/Deutschland 2022, 136 min
Genre: Dokumentarfilm, Porträt
Regie: Sabine Derflinger
Drehbuch: Sabine Derflinger
Kamera: Christine A. Maier, Isabelle Casez
Schnitt: Lisa Zoe Geretschläger
Musik: Gerald Schuller
Verleih: Mizzi Stock
Kinostart: 15.09.2022

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