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Alcarràs

Wirrwarr aus Macht und Ausbeutung

Seit Generationen bewirtschaftet die Familie Solé eine Pfirsichplantage. Die Ernte besorgen Schwarze Tagelöhner. Familie Pinyol, der das Grundstück gehört, will auf dem Gelände einen Solarpark errichten. Berlinale-Gewinner.

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Herb, aber auch klar und ruhig ist die Landschaft rund um die Pfirsichplantage. Schwarze Arbeiter pflücken das Obst, während die Kinder der weißen Pächterfamilie im Zickzack durch die Pflanzenreihen rennen. Seit Generationen bewirtschaftet die Familie Solé das Landstück im südlichen Katalonien, doch nun plagen sie Existenzängste: Familie Pinyol, der das Grundstück gehört, will hier einen Solarpark errichten und setzt Landwirt Quimet (Jordi Jujol Dolcet) unter Druck. Weil die Solés keine schriftlichen Pachtverträge haben, scheinen sie dem Willen der Grundbesitzer ausgeliefert. ALCARRÀS, der bei der Berlinale 2021 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde, zeigt, wie sich diese Krise auf jedes einzelne Mitglied der Großfamilie auswirkt.

Das Anwesen der Solés mitten in der Plantage ist malerisch, aber sein Putz abgeblättert. Ihr Leben hier ist einfach und hart, ihre Sorgen greifbar und verständlich. Trotzdem trennen sie Welten von ihren Angestellten, die sie als Tagelöhner in der Stadt einsammeln, ohne jede Garantie, dass es morgen wieder Arbeit geben wird. Wenn der Film über das Abhängigkeitsverhältnis und die Machtdiskrepanz zwischen den Solés und Pinyols spricht, schwingt das immer mit. So weigert sich der störrische Quimet anfangs, bei der Ernte die Hilfe seiner Frau Dolors (Anna Otin) und der Kinder anzunehmen, und findet: „Die Schwarzen sollen schneller pflücken“ – natürlich zum gleichen Lohn.

Carla Simóns zweiter Spielfilm hat einen autobiografischen Hintergrund: Die Drehbuchautorin und Regisseurin aus Barcelona verbrachte in ihrer Kindheit selbst viel Zeit in Alcarràs, wo ihr Großvater eine Pfirsichplantage unterhielt. Man spürt das in der liebevollen Aufmerksamkeit, mit der sich die Kamera den vielen Facetten der Natur- und Kulturlandschaft widmet. Die Pfirsichpflanzen rahmen die Figuren ein, umspielen sie mal mit sanftem Wispern, wirken wie undurchdringliche Mauern, wie ein Labyrinth oder eine dichte Decke. Ihre Blätter erstrahlen in unzähligen Grüntönen; hell und glitzernd im Sonnenschein, ausgebleicht und träge im Morgengrauen, dunkel und still bei Nacht.

Man spürt auch, dass der Film der Perspektive der Kinder und Jugendlichen besonders zugeneigt ist. Sie wandeln durch ihre grüne, sonnendurchflutete Welt in diesem Zustand des Halbwissens und möchten doch so gern verstehen, helfen und nicht länger machtlos sein. Als Zuschauer fühlt man sich ihnen aber auch deshalb so nah, weil sie in diesem Wirrwarr aus Macht und Ausbeutung unschuldige Leidtragende sind. So sind auch die ganz Kleinen die einzigen, die mit den stets anwesenden, aber immer im Hintergrund bleibenden Schwarzen Arbeitern freundschaftlich, gar familiär umgehen. Nur in einer solchen Szene nähern wir uns einmal einem der Erntehelfer so an, dass man sein Gesicht gut sehen und etwas von seiner Persönlichkeit erahnen kann. ALCARRÀS lässt uns mehr nebenbei als explizit die Segregation nachempfinden, die auf der Plantage herrscht – aber nur aus einer weißen Perspektive. Es bleibt eine Leerstelle dort, wo die Geschichten der Arbeiter und ihrer Familien stehen könnten oder müssten, wenn der Film auch den kolonialrassistischen Dimensionen seiner Thematik konsequent auf die Spur gehen wollte.

Eva Szulkowski

Details

Originaltitel: Alcarras
Spanien/Italien 2022, 120 min
Genre: Drama
Regie: Carla Simón
Drehbuch: Carla Simón, Arnau Vilaró
Kamera: Daniela Cajias
Verleih: Piffl Medien
Darsteller: Jordi Pujol Dolcet, Anna Otin, Xènia Roset, Albert Bosch, Ainet Jounou, Josep Abad
Kinostart: 11.08.2022

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Alcarràs

(Alcarras) | Spanien/Italien 2022 | Drama | R: Carla Simón

Seit Generationen bewirtschaftet die Familie Solé eine Pfirsichplantage. Die Ernte besorgen Schwarze Tagelöhner. Familie Pinyol, der das Grundstück gehört, will auf dem Gelände einen Solarpark errichten. Berlinale-Gewinner.

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