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Akt – 4 Leben ein Akt

Gezeichnete Körper

AKT porträtiert drei Menschen, die in Leipzig an Kunstakademien oder in Zeichenkursen Modell stehen. Behutsam schaut der Film hinter die zur Schau gestellte Oberfläche und gibt uns Nachricht aus drei, um mit Adorno zu sprechen, beschädigten Leben.

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Drei Frauen, ein Mann. Die Kamera nähert sich ihrem nackten Objekt, dem Körper, meist vom Nacken, vom Rücken her. Dann umkreist sie ihn langsam, tastet ihn ab zu je eigener Musik, von ruhigem Jazz bis hin zu getragener Klassik, unterstreicht so das vorangestellte Motto: "Auf dass man in 1000 Jahren nachdem wir starben, sehe, wie schön ihr wart ..." (Michelangelo). Dabei sind es beileibe keine Schönheiten, die der Dokumentarfilm AKT von Mario Schneider porträtiert, sondern vier sehr irdische, teils unförmige Menschen, die in Leipzig an Kunstakademien oder in Zeichenkursen Modell stehen.
Doch setzt sich der Film, anders als der Titel suggeriert, weder mit Nacktheit (Scham, Voyeurismus, Entblößung) noch auch direkt mit dem Sehen und Zeichnen des nackten Körpers auseinander. Der Akt ist vielmehr Anlass, hinter die Oberfläche zu schauen und die vier Porträtierten sprechen zu lassen. Sie geben uns Nachrichten aus einem, um mit Adorno zu sprechen, beschädigten Leben. Eine Frau wäre fast erst gar nicht ins Leben gekommen, nun halb blind und ohne Haare singt sie in der Fußgängerzone eigenwillige Lieder. Der Mann des Films litt als Säugling an einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Die damit zusammenhängenden familiären Ungleichgewichte wirken bis heute fort. Einer Dritten ertaubte ihr Mann. Allein die Vierte, die nicht nur Modell steht, sondern selber als Künstlerin ganz in der Malerei aufgeht, scheint unversehrt zu sein.
Zwischendurch spürt die Kamera den im doppelten Sinn gezeichneten Körpern nach oder bewegt sich traumwandlerisch durch Leipzig. Während die Stadt dabei zum Spiegel eines Alltags wird, in dem jeder seine Last zu tragen hat, wird der nackte Körper zum Symbol eines Rechts auf Würde, die immer wieder unter die Räder zu geraten drohte, und einer Schönheit, die nicht den Vorgaben der Kulturindustrie entspricht.

Hendrik Jackson

Details

Deutschland 2015, 105 min
Sprache: Deutsch
Regie: Mario Schneider
Drehbuch: Mario Schneider
Kamera: Friede Clausz, Mario Schneider
Schnitt: Gudrun Steinbrück, Mario Schneider
Musik: Mario Schneider, Cornelius Renz
Verleih: RealFiction
Kinostart: 14.04.2016

Vorführungen

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