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Adam

Sonnenstrahlen in Ablas Küche

Auf der Suche nach Arbeit und Obdach irrt eine junge hochschwangere Frau durch die engen Straßen Casablancas. Überall wird Samia abgewiesen, bis sie an die Tür der alleinerziehenden Mutter Abla klopft.

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Auf der Suche nach Arbeit und Obdach irrt eine junge hochschwangere Frau durch die engen Straßen Casablancas. Überall wird Samia (Nisrin Erradi) abgewiesen, bis sie an die Tür der alleinerziehenden Mutter Abla (Lubna Azabal) klopft. Deren fröhliche, aufgeschlossene Tochter Warda (Douae Belkhaouda) möchte sich sofort mit Samia anfreunden, doch Abla ist so voller Wut und Traurigkeit, dass sie das nicht zulassen will. Zwischen den beiden Frauen stehen viele ungestellte Fragen über ihre Vergangenheit und Zukunft.
ADAM, der erste Langspielfilm der Regisseurin und Autorin Maryam Touzani, sticht vom ersten Moment an ins Auge und ins Herz. Er basiert auf einer wahren Begebenheit: In einer Zeit, als es illegal war, unverheiratet schwanger zu sein, nahmen Touzanis Eltern eine schwangere Frau bei sich auf, damit sie ihr Kind nicht auf der Straße gebären musste. Die Autorin spinnt aus dieser Erfahrung eine simple und doch große Geschichte über zwei Frauen, über marokkanische Kultur und die erdrückende Macht patriarchaler Strukturen.
Virginie Surdejs unaufgeregte und doch experimentierfreudige Kamera macht den Film zu einem reichen visuellen Erlebnis. Fragmentiert sind die Blicke auf die beiden Frauen, ihr Leben, ihre Arbeit. Beim Backen fokussiert sich die Kamera auf die Hände, beim Gang durch die Medina auf den Hinterkopf, lose vom Kopftuch bedeckt. Sie nimmt sich viel Zeit, um die ausdrucksstarken Gesichter der beiden Hauptdarstellerinnen zu studieren. Unschärfen und Rahmungen sind wichtige Erzählmittel, ebenso wie die typisch marokkanische Architektur von Ablas Haus, ihrem Viertel. Auch wenn es manchmal schmerzhaft ist, freut man sich doch, zu erfahren, was als nächstes passiert, und genießt die Momente, wenn überraschend die Sonnenstrahlen in Ablas Küche fallen. Zugleich wohnt ADAM auch jede Menge Wut inne – darüber, wie das Schicksal und das Patriarchat Frauen zusetzen können, bis ihnen alle Lebensfreude aus den Knochen entweicht.

Eva Szulkowski

Details

Marokko/Frankreich/Belgien 2019, 98 min
Genre: Drama
Regie: Maryam Touzani
Drehbuch: Maryam Touzani
Kamera: Virginie Surdej
Schnitt: Julie Naas
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Lubna Azabal, Nisrin Erradi, Aziz Hattab, Douae Belkhaouda
FSK: 6
Kinostart: 09.12.2021

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