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A Woman Captured

Moderne Sklaverei

Regisseurin Bernadett Tuza-Ritter Eta trifft in Ungarn die Hausbedienstete Marish, die seit zehn Jahren ohne Lohn im Haus ihrer Dienstherren lebt, ihren Fabriklohn abgeben muss und geschlagen wird.

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In Ungarn traf die Regisseurin Bernadett Tuza-Ritter Eta eine ungewöhnlich große Frau, die damit prahlte, dass sie im eigenen Haushalt nichts machen müsse, weil sie Angestellte für alles hätte. Tuza-Ritter bekam die Erlaubnis, im Haushalt zu filmen und traf so auf Marish, die dort seit zehn Jahren als Haushaltshilfe dient. Wenn man Marish das erste Mal sieht, wacht sie gerade auf. Sie schläft auf dem Sofa, das Handy fest in der Hand und wirkt auf den ersten Blick wie eine liebe Oma. Sie lächelt Bernadett an, macht den Kindern das Essen und füttert die Gänse. Marish ist aber erst 53. Sie wirkt älter, weil ihr ein früherer Arbeitgeber alle Zähne ausgeschlagen hat, und weil sie sich hauptsächlich von Essensresten und Zigaretten ernähren muss. Das und das Sofa sind der einzige Lohn, für den sie bei Eta arbeitet. Das Geld, das sie tagsüber in einer Fabrik verdient, muss sie abgeben und wenn Eta schlechte Laune hat, schlägt sie Marish.
Tuza-Ritter hat Marish über einen Zeitraum von anderthalb Jahren begleitet und strafft diese Zeit in eine Serie von fragmentarischen Augenblicken. Die Kamera bleibt immer auf Marish, auf ihrem faltigen Gesicht oder ihren Händen bei der Arbeit. Die Menschen, mit denen sie redet, sind unsichtbar im Off oder bestenfalls unscharfe Silhouetten am Rande des Bildes. Die meisten Gespräche hat sie mit der Regisseurin hinter der Kamera. Immer wieder betont Marish, dass sie nur ihr vertraut und ansonsten ganz alleine ist und stellt so auch die Frage nach der Verantwortung, die Dokumentarfilmer für die gefilmten Personen haben. Der Schrecken über diesen Fall von moderner Sklaverei entfaltet sich aber auch dadurch, dass die Kamera Marish in ihrer Verzweiflung immer wieder ganz nah ist. Diese Momente bereiten den Weg dafür, dass Marish Hoffnung fasst und sich in Richtung Freiheit aufmacht.

Christian Klose

Details

Ungarn/Deutschland 2017, 89 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Bernadett Tuza-Ritter
Drehbuch: Bernadett Tuza-Ritter
Kamera: Bernadett Tuza-Ritter
Musik: Csaba Kalotás
Verleih: Partisan Filmverleih
FSK: 12
Kinostart: 11.10.2018

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