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A Man of Integrity

Alle wollen profitieren

Der iranische Film erinnert an amerikanische Paranoia-Thriller der siebziger Jahre: Nicht nur, dass ein großes Unternehmen es auf Rezas Land abgesehen hat, es wollen auch noch alle, die irgendwie involviert sind, von Rezas Niedergang profitieren.

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Ein Film wie eine Daumenschraube, die sehr langsam enger gezogen wird. Alles beginnt mit zwei Männern, die angeblich „von der Moschee“ kommen. Sie suchen vergeblich nach „Wassermelonen“, die der iranische Fischfarmer Reza aber tatsächlich in einem Verschlag unter einem Schuppen vergären lässt. Es ist der Beginn einer Geschichte, die in vieler Hinsicht an amerikanische Paranoia-Thriller der siebziger Jahre erinnert, nur findet die Korruption allen gesellschaftlichen Verkehrs hier ganz offen statt. Nicht nur, dass ein großes Unternehmen es auf Rezas Land abgesehen hat, es wollen auch noch alle, die irgendwie involviert sind, von Rezas Niedergang profitieren. Ob die Korruption persönlich ist, oder ob alle Teil einer Verschwörung sind, spielt kaum noch eine Rolle. Die Niedertracht ist das System, und Reza und seine Frau Hadis werden immer tiefer hineingezogen, gerade wenn sie glauben sich zu wehren. A MAN OF INTEGRITY fühlt sich an wie Zorn unter einer Glasglocke. Mohammad Rasoulofs Film bewegt sich langsam. Es gibt brutale Gewalt, aber sie ist nie im Bild zu sehen. In seinen finstersten Momenten zieht sich Reza in eine warme Quelle in einer Berghöhle zurück und betrinkt sich mit dem Wein der vergorenen Melonen. Dabei wirkt die Welt um ihn herum genauso blickdicht und benebelt. Erst allmählich enthüllt sich die Biografie des Paares und es wird klar, dass A MAN OF INTEGRITY auch ein Film über das Untertauchen der iranischen Oppositionsbewegung und die innere Emigration ist. Wohin kann man sich zurückziehen, wenn die Barbarei überall herrscht? Rasoulof zeigt auch die Beschädigungen an seinen Hauptfiguren – das gegenseitige Misstrauen, die Vorwürfe, die Einsamkeit eines Paares, das sich nicht mehr vertraut. Sein Film spielt in einer Welt, in der Integrität so unmöglich ist wie Adornos wahres Leben im falschen.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Lerd
Iran 2017, 117 min
Sprache: Persisch, Englisch
Genre: Drama, Thriller
Regie: Mohammad Rasoulof
Drehbuch: Mohammad Rasoulof
Kamera: Ashkan Ashkani
Musik: Peyman Yazdanian
Verleih: Cosmopol
Darsteller: Reza Akhlaghirad, Soudabeh Beizaee, Nasim Adabi
FSK: 12
Kinostart: 02.05.2019

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