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A Fábrica de Nada

Besetzen und selbstverwalten

Arbeiter besetzen eine Fabrik, die demontiert werden soll und beschließen, sie selbstverwaltet weiter zu führen.

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Eine Fabrik wird stillgelegt, die Belegschaft besetzt den Laden und will weiter produzieren. Das wäre vor ein paar Jahren noch eine hoffnungsfrohe Geschichte gewesen, wie in Naomi Kleins THE TAKE (2004). Inzwischen sind auch die Paradebeispiele der Selbstverwaltung in Ostdeutschland pleite gegangen, die älteren selbstverwalteten Firmen in Westdeutschland wursteln teilweise weiter, seit langem an die Selbstausbeutung gewöhnt. A FÁBRICA DE NADA ist portugiesischer Diskurspop, den man sich ansehen sollte, wenn man darüber reden will, wie wir jetzt weitermachen. Der Film dauert 3 Stunden. Nach 90 Minuten, in denen Arbeiter über ihre sehr konkrete, beschissene Situation reden, manchmal auch rumstehen und über ihren Alltag reden, was einem aus dem Nichts auftauchenden Franzosen, der allmählich vom Beobachter zum Regisseur wird, nicht gefällt, weil es nicht politisch genug ist, sitzen bourgeoise Linke beim Post-Dinner-Schnäpschen und reden über die Weltlage. Wenn alles immer brutaler wird, sollte man dann dem Nachbarn den Flachbildschirm klauen und auf dem Schwarzmarkt verkaufen oder lieber mit dem Nachbarn einen Nachbarschaftsgarten anlegen? Als wäre das eine Frage. Als würden wir nicht alle den verdammten Fernseher klauen, wenn es darauf ankäme. Direkt danach zeigt Großvater dem netten, verzweifelten Zé, mit dessen Frau Carla es nicht gut läuft, wo er Waffen im Sumpf vergraben hat. Damit man den Schweinen mal zeigen kann, dass man sich nicht alles bieten lässt. Zé dreht sich um. Aber was, wenn ihm einer den Flachbildschirm klaut oder den Nachbarschaftsgarten verwüstet? Bleibt von der Linken nichts übrig als kommunitaristische Sekten, die sich schließlich gegen andere Stämme verteidigen zu glauben müssen, wie es die „libertäre“ Rechte in den USA träumt? Wie weit wird die Verrohung gehen? Nach den drei Stunden ist man mindestens verzweifelter, auch wenn am Ende getanzt und gesungen wird.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: A fabrica de nada
Portugal 2017, 177 min
Genre: Drama, Musical
Regie: Pedro Pinho
Drehbuch: Tiago Hespanha, Luisa Homem, Leonor Noivo, Pedro Pinho
Kamera: Vasco Viana
Schnitt: Luisa Homem
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Carla Galvão, Dinis Gomes, Joaquim Bichana Martins, Njamy Sebastião
Kinostart: 18.10.2018

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