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153 Meter

Das Leben gegenüber

Lana, Hausmeisterin in einer Plattenbausiedlung, träumt sich in das Leben ihrer Nachbarin Vivi, deren vermeintlich perfekten Alltag sie per Videokamera beobachtet.

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Lana tanzt. Lana lacht. Lana isst. Lana vergisst. Nur wenn Lana (Michaela Caspar) durch die Linse ihrer Videokamera in die Wohnung ihrer Nachbarin gegenüber schaut und akribisch jede ihrer Bewegungen imitiert, gelingt es ihr, für einen Moment aus dem stupiden Alltag auszubrechen, in dem sie gefangen ist. Ihr Job als Hausmeisterin in der Plattenbausiedlung, in der sie lebt, hält sie von morgens bis abends auf Trab. Dazu kommt, dass sie sich um ihre pflegebedürftige Mutter (Maria Luise Preuss) kümmert, mit der sie sich ihr enges Zuhause teilt. Der Blick ins Leben von Vivi (Emilia von Heiseler) hilft ihr dabei, sich zu entspannen und eine Normalität nachzuahmen, die ihr verwehrt bleibt. Denn Vivi ist jung, hat einen Freund und wenig Sorgen. So scheint es zumindest, bis eines Tages ein Streit mit dem Partner aus dem Ruder läuft - und in dem Moment sieht Lana rot. Sie entschließt sich, einzuschreiten und die Distanz zu brechen, die sie so lange so sorgfältig aufrechterhalten hat. Doch mit der plötzlichen Nähe zu ihrer fremden Freundin steigt auch die Sehnsucht in Lana, und es dauert nicht lange, bis die Situation eskaliert.
Der Berliner Regisseur Anton von Heiseler setzt in seinem ersten Spielfilm auf ein Höchstmaß an Intimität: 153 METER ist ein Familienprojekt, gespielt von seiner Mutter, Großmutter und Zwillingsschwester, ohne dass man es merkt. Was auffällt, ist der dokumentarische Hintergrund des Regisseurs, der Wille zum genauen Beobachten, die Vorliebe für ausdrucksstarke Bilder gegenüber dem gesprochenen Wort. Die wenigen Dialoge wirken deshalb manchmal etwas unbeholfen und steif. Trotzdem ist die Charakterstudie, die hier in 71 atmosphärisch dichten Minuten erzählt wird, ein sehenswertes Langfilmdebüt, das bis zum Schluss angenehm vage und immer nah an seiner Hauptfigur bleibt.

Pamela Jahn

Details

Deutschland 2022, 71 min
Genre: Drama
Regie: Anton von Heiseler
Drehbuch: Maximilian Rummel, Andreas Koch, Anton von Heiseler
Kamera: Lucas Heinze
Schnitt: Benedikt Strick
Musik: Lukas Zepf, Justin Robinson
Verleih: déjà-vu film UG
Darsteller: Michaela Caspar, Marie Luise Preuß, Emilie von Heiseler
Kinostart: 11.05.2023

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