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Sieniawka

Derealisierungseffekte

Der Film SIENIAWKA spielt in der psychiatrischen Anstalt der polnischen Ortschaft Sieniawka. Regisseur Marcin Malaszczak ist allerdings weniger an einem klassischen Institutionenportrait gelegen, als daran, Aggregatszustände eines Bewusstseins filmisch zu bannen. Eines der erstaunlichsten Kinodebuts der letzten Jahre.

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Es gibt Formen des Kinos, bei denen Versuche einer Grenzziehung zwischen dokumentarischer Abbildrealität und fiktionaler Inszenierung zum Scheitern verurteilt sind. SIENIAWKA von Marcin Malaszczak ist einer dieser Fälle und eines der erstaunlichsten Kinodebuts der letzten Jahre. Was er zeigt, findet der Film in einer psychiatrischen Anstalt der polnischen Ortschaft Sieniawka und die Männer, die in ihr leben, stellen sein Personal. Malaszczak ist allerdings weniger an einem klassischen Institutionenportrait gelegen, als daran, Aggregatszustände eines Bewusstseins filmisch zu bannen. Ein Prolog erzählt von einem Mann, Stefan, der sich in Zwangsjacke in der Umgebung Sieniawkas wiederfindet, durch Wälder und die Mondlandschaft eines Braunkohletagbaus streift und einem Fremden begegnet. In dem Maße in dem die Erzählung in die Institution führt, zeitigt sie einen Derealisierungseffekt auf den Film selbst. Damit auch als mentales Bild lesbar, erscheint der gebremste und eine erstaunliche Ruhe ausstrahlende Alltag der Institution, der den Hauptteil des Films ausmacht, als Raumzeit einer verschobenen Ordnung (Montage: Stefan Stabenow und Maja Tennstedt). Die Anstalt wird zum Resonanzkörper, in dem neben dem Komplex der Institutionalisierung die postkommunistische Situation, aber auch die Geschichte des Kinos mitschwingen. Am Ende wird sich Stefan wieder im Außen der Anstalt bewegen, durch eine verwüstete Landschaft. Es sind Bilder der Verheerungen des Hochwassers von 2010, aber es ist auch das Bild einer Welt die auseinander fällt. "Even though you're far away from me / you're in my dreams / and I it's hard to erase you / from my memories" tönt John Maus' Bass über einer Szene in der Mitte des Films und hallt noch lange nach, wenn man vom Schwarz des Abspanns wieder mit seinen eigenen Bildern allein gelassen wird.

Sebastian Markt

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Details

Polen 2013, 126 min
Genre: Drama
Regie: Marcin Malaszczak
Drehbuch: Marcin Malaszczak
Kamera: Marcin Malaszczak
Schnitt: Stefan Stabenow, Maja Tennstedt
Verleih: Mengamuk Films
Darsteller: Stefan Szyszka
Kinostart: 05.06.2014

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