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Marie und die Schiffbrüchigen

Moderne Sirene

Im Mittelpunkt der schrägen Dreiecksgeschichte steht Marie , eine moderne Sirene, die Männer mit Liebeskummer magisch anzieht. Ihre Satelliten sind Siméon dessen Heiratsantrag gerade zurückgewiesen wurde und ihr Ex Antoine, ein krisenanfälliger Autor mit einem Übermaß an Fantasie.

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Quirky ist einer dieser englischen Begriffe, die im Deutschen keine wirklich präzise Entsprechung haben, aber ideale Beschreibung mancher Filme sind. Zum Beispiel der von Sébastian Betbeder, der sich vor ein paar Jahren mit 2 AUTOMNES 3 HIVERS - 2 HERBSTE 3 WINTER als besonders origineller, verspielter, aber auch zutiefst romantischer Regisseur erwies, ein Urteil, das auch sein neuer Film MARIE UND DIE SCHIFFBRÜCHIGEN bestätigt. Im Mittelpunkt der Dreiecksgeschichte steht Marie (Vimala Pons), drum herum die zwei Männer, die sie umschwirren: Zum einen ist das Siméon (Pierre Rochefort), dessen Heiratsantrag an seine langjährige Freundin gerade zurückgewiesen worden ist, zum anderen Antoine (Eric Cantona), ein Autor mit einem Übermaß an Fantasie, der einst während einer seiner vielen Schreib- und anderen Krisen von Marie gerettet und nun wieder von ihr verlassen wurde. Siméon ist zufällig auf Marie gestoßen – er hat ihr Portemonnaie gefunden, als er seinen Schmerz in einer Bar ertränkte. Antoine warnt ihn vor Marie, vor ihrer Faszinationskraft, von der man sagen könnte, dass sie Schiffbrüchige der Liebe anzieht, wie die Sirenen einst Odysseus.
Vermutlich denkt auch Betbeder an den Homerischen Bezug, wenn er seine Geschichte auf einer Insel vor der französischen Küste enden lässt, wo sich das Trio, verstärkt durch Siméons Mitbewohner Oscar (Damien Chapelle), einem DJ düster-elektronischer Klänge, einfindet. Hier wird der Liebesreigen, der in leicht-verspielter Manier auf den Straßen Paris begann, zunehmend surreal und die Verwandtschaft zur Nouvelle Vague immer deutlicher. Betbeders Filme sind voller Zitate und Verweise, die allerdings nie Selbstzweck, nie reine, latent angeberische, nostalgische Spielerei sind, sondern moderne Variationen der ewigen Suche nach der Liebe.

Michael Meyns

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Details

Originaltitel: Marie et les naufragés
Frankreich 2016, 104 min
Genre: Komödie, Liebeskomödie
Regie: Sébastien Betbeder
Drehbuch: Sébastien Betbeder
Kamera: Sylvain Verdet
Schnitt: François Quiqueré
Musik: Sebastien Tellier
Verleih: déjà-vu film
Darsteller: Emmanuelle Riva, Wim Willaert, Vimala Pons, André Wilms, Eric Cantona, Pierre Rochefort, Damien Chapelle
Kinostart: 08.06.2017

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