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Drei Zinnen

Abgründe

Auf einer Wanderung finden sich Aaron und der Tristan, der Sohn seiner Partnerin aus einer früheren Beziehung, plötzlich isoliert von der Zivilisation auf sich selbst gestellt wieder.

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Drei Zinnen, drei Menschen. Wie eine Familie sehen die steil, vielleicht auch ein wenig bedrohlichen Felsen aus, meint Tristan, der zehnjährige Sohn einer namenlos bleibenden Frau, mit der Aaron seit zwei Jahren zusammen ist. Das Trio ist eine moderne Patchwork-Familie, er Architekt, sie Wissenschaftlerin, die in der Abgeschiedenheit einer Berghütte an einem Text arbeitet. Währenddessen streifen Aaron und Tristan durch die Natur, in einem Verhältnis, das sie fast wie Vater-Sohn wirken lässt, aber nur fast. Denn auch wenn Aaron meint, das im Laufe der Beziehung tatsächlich eine Nähe zwischen ihm und Tristan entstanden ist, die durchaus väterliche Züge hat, lehnt die Frau diese Bezeichnung kategorisch ab. Tristan habe einen Vater – der per Telefon auch oft präsent ist – das würde reichen. Im Prinzip akzeptiert Aaron dies auch, doch innerlich scheint es an ihm zu nagen, sieht er Tristan, den er meist tatsächlich liebt wie, ja, wie sein eigenes Kind, zunehmend als Hindernis seiner Beziehung.
Ein dichtes Beziehungsgeflecht webt Regisseur Jan Zabeil in seinem zweiten Spielfilm, in dem –
wie schon in seinem Debüt DER FLUSS WAR EINST EIN MENSCH – die Natur eine wichtige Rolle spielt. Gerade in der ersten Hälfte ist sein Film genau beobachtet, werden mit kleinen Gesten und Blicken die komplexen Strukturen und auch Probleme einer solchen Patchwork-Familie angedeutet. Die Frau bleibt dabei zunehmend außen vor, erst recht, als sich Aaron und Tristan eines morgens zu einer Wanderung aufmachen, auf der sie sich nach einem Zwischenfall bald isoliert von der Zivilisation finden, zurückgeworfen auf ihre Instinkte, vielleicht auch ihre Urtriebe. Eine ungeahnte Dramatik entfaltet sich nun, die DREI ZINNEN endgültig zu einem geradezu archaischen Drama macht, in dem die anfangs nur angedeuteten psychologischen Abgründe auf überraschende, extreme Weise nach außen dringen.

Michael Meyns

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Details

Originaltitel: Three Peaks
Deutschland/Italien 2017, 94 min
Genre: Drama, Thriller
Regie: Jan Zabeil
Drehbuch: Jan Zabeil
Kamera: Axel Schneppat
Schnitt: Florian Miosge
Verleih: NFP
Darsteller: Alexander Fehling, Bérénice Bejo, Arian Montgomery
FSK: 12
Kinostart: 21.12.2017

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