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Der verlorene Sohn

Religiöse Umerziehung

Gerard wächst in einem fürsorglichen Elternhaus auf, aber nachdem er seinem Vater, dem Baptistenprediger Marshall (Russel Crowe) von einem Vorfall am College erzählt, steckt der ihn in das „Love in Action“-Programm, dass ihm die Homosexualität austreiben soll.

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Eigentlich kaum zu glauben, andererseits auch nicht wirklich überraschend: Gerade in den besonders religiös geprägten Bundesstaaten Amerikas ist es immer noch gang und gäbe, Teenager, die Anzeichen haben, homosexuell zu sein, in religiöse Umerziehungscamps zu stecken, um sie von ihrer „Krankheit“ zu heilen. Dieses Schicksal sollte auch Gerard Conley erdulden, dessen Autobiografie der Schauspieler und Regisseur Joel Edgerton für seinen Film adaptierte.
Im Film heißt Gerard Jared Eamons (Lucas Hedges) und wächst in einem an sich fürsorglichen Elternhaus auf. Sein Vater Marshall (Russell Crowe) ist Autoverkäufer, vor allem aber Prediger in der lokalen Baptisten-Gemeinde, seine Mutter Nancy (Nicole Kidman) liebevoll, aber anfangs nicht bereit, sich den festgefahrenen Ansichten des Vaters zu widersetzen. Nachdem Jared von einem Vorfall auf dem College berichtet, sieht Marshall nur eine Chance, seinen Sohn vor dessen Homosexualität und damit dem direkten Weg in die Hölle zu bewahren: Das „Love in Action“ Therapieprogramm, das von Victor Sykes (Joel Edgerton) geleitet wird und einer geschlossenen Anstalt ähnelt. Verschiedenste Charaktere trifft Jared hier, die auf unterschiedliche Weise mit ihrer Situation umgehen. Doch die potentiellen menschlichen Dramen reißt Edgerton in seiner zweiten Regiearbeit nur sehr behutsam an, was gleichzeitig Stärke und Schwäche ist. Ein wenig undramatisch erzählt DER VERLORENE SOHN von Jareds Emanzipation, die letztlich relativ glatt abläuft. Andererseits ist dieser zurückhaltende Ansatz auch angenehm frei von Spekulation und Hysterie und nimmt statt dessen eine vollkommen absurd anmutende Form von „Therapie“ sehr genau unter die Lupe, eine Praxis, von der man kaum glauben mag, dass sie in einem halbwegs aufgeklärten Land noch existiert.

Michael Meyns

Details

Originaltitel: Boy Erased
USA 2018, 114 min
Genre: Biografie, Drama
Regie: Joel Edgerton
Drehbuch: Garrard Conley, Joel Edgerton
Kamera: Eduard Grau
Musik: Saunder Jurriaans, Danny Bensi
Verleih: Universal Pictures Germany
Darsteller: Lucas Hedges, Nicole Kidman, Joel Edgerton, Russell Crowe, Xavier Dolan
FSK: 12
Kinostart: 21.02.2019

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