Entfernung über GPS
ab PLZ

Borg/McEnroe

Tennis als Psycho-Druckkammer

1980 will Björn Borg zum fünften Mal das Wimbledon-Turnier gewinnen. John McEnroe ist beim Publikum wegen seiner dauernden Ausfälle verhasst.

Mehr

Tennis ist keine filmaffine Sportart. Es gibt legendäre Baseball-, Football-, Basketball-Filme, Tanz-, Segel-, Box- und sogar ganz ordentliche Fußball-Filme, aber keine legendären Tennisfilme. Tennis ist für die Filmkamera schwer einzufangen, die Bewegungsabläufe sind schwierig nachzustellen und kaum fragmentierbar wie etwa ein Boxhieb oder ein Football-Pass. Beim Tennis braucht man das ganze Bild und die ganze Dauer, um die Dramaturgie zu verstehen. Nun kommen im Oktober zwei Filme über Tennislegenden ins Kino. BATTLE OF THE SEXES startet im November und erzählt eine feministische Heldinnensaga über die sechsmalige Wimbledon-Siegerin Billy Jean King, während es in BORG/MCENROE um das Wimbledon-Finale der Herren von 1980 geht. BATTLE OF THE SEXES ist ohne Frage der bessere Film, interessiert sich aber kaum für den Sport, BORG/MCENROE interessiert sich für nichts anderes und ist der bessere Sportfilm. 1980 galt John McEnroe als der Bad Boy des Tennis, wegen seiner dauernden aggressiven Ausfälle gegen Schiedsrichter, Tauben auf dem Stadiondach, gegen das Publikum. Sein Spiel war spektakulär, mit brutal angeschnittenen Aufschlägen, unglaublichen Volleys und drop shots. Björn Borg galt als ein Eisberg, der auf dem Platz keine Emotionen zeigte, und von der Grundlinie aus jeden Ball zurück brachte. Janus Metz‘ Film zeigt Tennis als eine Druckkammer, in der Wahnsinnige am besten funktionieren. Borg ist hier ein pedantischer, depressiver Zwangsneurotiker, der in Zwangshandlungen seine Wut sublimiert, während McEnroe seine Zornausbrüche als Durchlauferhitzer benutzt. Das ist vielleicht nicht sehr tiefsinnig, aber immerhin erzählt BORG/MCENROE etwas Neues im Sportfilmgenre: Nur extrem neurotische Charaktere können sich einem Zirkus wie dem Profi-Tennis überhaupt anschließen. Die Helden sind irre. Die Tennisszenen sind exzellent und absolut glaubhaft inszeniert.

Tom Dorow

Teilen
Details

Originaltitel: Borg McEnroe
Dänemark/Schweden/Finnland 2017, 100 min
Genre: Sportfilm, Drama
Regie: Janus Metz Pedersen
Drehbuch: Ronnie Sandahl
Kamera: Niels Thastum
Schnitt: Per K. Kirkegaard, Per Sandholt
Musik: Jonas Struck, Vladislav Delay
Verleih: Universum Film
Darsteller: Stellan Skarsgård, Tuva Novotny, Shia LaBeouf, Sverrir Gudnason
FSK: oA
Kinostart: 19.10.2017

Website
IMDB

Vorführungen

Filter

Borg/McEnroe

(Borg McEnroe) | Dänemark/Schweden/Finnland 2017 | Sportfilm, Drama | R: Janus Metz Pedersen | FSK: oA

1980 will Björn Borg zum fünften Mal das Wimbledon-Turnier gewinnen. John McEnroe ist beim Publikum wegen seiner dauernden Ausfälle verhasst.

Vorführungen

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.