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Life on the border

Bahman Ghobadi gibt sieben Kindern in den Flüchtlinglagern Kobanê und Sindschar eine kleine Kamera in die Hand, bringt ihnen die Grundlagen des Filmemachens bei und lässt sie selbst ihre Geschichten inszenieren.

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In gewisser Weise kann man das Projekt des kurdischen Regisseurs Bahman Ghobadi als Gegenentwurf zu Ai Weiweis Human Flow lesen. Ghobadi, der mehrfach für seine Filme premiert wurde, unter anderen mit der Goldenen Palme in Cannes, zeichnet kein visuell bombastisches Epos der Vertreibung, sondern gibt sieben Kindern in den Flüchtlinglagern Kobanê und Sindschar eine kleine Kamera in die Hand, bringt ihnen die Grundlagen des Filmemachens bei und lässt sie selbst ihre Geschichten inszenieren. Ghobadi tritt zurück, erschafft Raum und gibt den Kindern damit die Möglichkeit zur Selbstermächtigung. Der 14-jährige Sami, dessen Schwester wie über 4000 jesidische Frauen in den Shingal-Bergen von Kämpfern des Islamischen Staates entführt wurde, zeigt die Verzweiflung seiner Mutter und die Sprachlosigkeit seines Vaters. Basmeh, die auf der Flucht ihre Hand verlor, gibt der Wut vieler Frauen eine Stimme. Sie dürfen erzählen, was man ihnen angetan hat. Immer wieder fragen sie, warum die Welt zusieht, während der IS die Jesiden abschlachtet, Frauen als Sklavinnen gehalten und verkauft werden. Die kleine Schwester von Bishat, 13, konnte nach einer Woche Gefangenschaft frei kommen. Seit ihrer Rückkehr hat sie kein einziges Wort mehr gesprochen. Ihr Bruder versucht sie aufzuheitern, in dem er ihr den Schatten eines Düsenjägers einfängt und ein Spiel mit Blechdosen erfindet. Die Szenarien sind einfach, oft mit einer ganz eigenen Bildsprache gestaltet, wie sie nur Kinder spontan erschaffen können und gerade deshalb sind sie so bewegend. Sie zeigen das triste Leben im Camp, das Ausharren, die langen Wege, um Wasser zu beschaffen und das Warten auf ein ersehntes Flugzeug, das Medikamente bringen soll. Aber auch den Humor und die unsagbare Stärke, die trotz allem in diesen Kindern steckt. Zohur, 12 Jahre, hat eine wunderschöne Stimme. Ein Liedermacher macht sich auf den Weg zu ihr, denn er möchte, dass sie ein Lied über Shingal und seine Märtyrer mit ihm aufnimmt. Zohur kann und will nicht mehr singen. Sie hat Mutter und Vater verloren und sie hat kein Zuhause mehr. Aber sie hat diesen Film mitgestaltet, mit Liebe, Poesie und Mut und gibt uns damit die einmalige Chance, ihre Stimme zu hören, ihre Welt zu erfahren.

Susanne Kim

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Details

Originaltitel: Life on the Border
Irak/Syrien 2015, 67 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Mahmod Ahmad, Ronahl Ezzadin, Samel Hossein, Delovan Kekha, Hazem Khodelde, Diar Omar, Zohour Saeid
Drehbuch: Hazem Khodeideh, Mahmod Ahmad, Ronahi Ezaddin
Verleih: eksystent Filmverleih
FSK: 6
Kinostart: 09.11.2017

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Life on the border

(Life on the Border) | Irak/Syrien 2015 | Dokumentarfilm | R: Mahmod Ahmad, Ronahl Ezzadin, Samel Hossein, Delovan Kekha, Hazem Khodelde, Diar Omar, Zohour Saeid | FSK: 6

Bahman Ghobadi gibt sieben Kindern in den Flüchtlinglagern Kobanê und Sindschar eine kleine Kamera in die Hand, bringt ihnen die Grundlagen des Filmemachens bei und lässt sie selbst ihre Geschichten inszenieren.

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