Entfernung über GPS
ab PLZ

Gayby Baby

Aus Sicht des Nachwuchses

Regisseurin Maya Newell, die selbst als „Gayby“ aufwuchs – als Kind, dessen Eltern in einer gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben - fragt mit ihrem Dokumentarfilm explizit nach der Sicht dieser Kinder auf ihre gesellschaftlich als Ausnahmesituation wahrgenommenen Familienkonstellationen.

Mehr

„Gaybies“ sind Kinder, deren Eltern in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben. Gus wurde per Samenspende als Kind zweier Lesben gezeugt, Ebony und Matt entstammen Heterofamilien, in denen sich die Mütter nach der Trennung von den Vätern mit Frauen zusammengetan haben, und Graham lebt bei seinen schwulen Adoptivvätern, weil er in seiner Biofamilie schwer vernachlässigt wurde und mit fünf Jahren noch nicht einmal zu sprechen vermochte. Regisseurin Maya Newell, die selbst als „Gayby“ aufwuchs, fragt mit ihrem Dokumentarfilm explizit nach der Sicht dieser Kinder auf ihre gesellschaftlich als Ausnahmesituation wahrgenommenen Familienkonstellationen. Dabei begleitet sie die Vier, die zwischen Noch-Ganz-Kind-Sein und der ersten Ahnung von Erwachsenwerden stehen, lange genug, um individuelle Entwicklungen mitvollziehen zu können. Schnell wird klar, dass das Hauptproblem der Gaybies nicht die Beziehungen ihrer Eltern sind – wobei die Diskriminierung ihrer Familien durch die Außenwelt natürlich eine Belastung für die Kinder darstellt. Wenn Ebony Sängerin werden möchte, aber zu schüchtern ist für den großen Auftritt, wenn Matt sonntags lieber beim Football wäre als im Gottesdienst, wenn Graham ums Lesen lernen ringt und Gus das wilde Wrestling gegenüber friedliebenden Eltern rechtfertigen muss, dann erhalten wir Einblicke in die schwierigen Dynamiken von Identitätsfindung und familiärer Prägung, die auch in queeren Familien unvermeidlich sind. Jede Familie ist auf ihre ganz eigene Art Familie, muss Wege finden für das Zusammenleben, für gemeinsames Wachsen an den anstehenden Herausforderungen. Das Ideal eines reibungslosen Familienlebens ist auch bei Heteros eine Illusion. Weil der Film dennoch ein unglaublich großes Zutrauen zum Leben als Familie auszudrücken vermag, wird er zum Geschenk.

Anna Stemmler

Teilen
Details

Australien 2015, 85 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Maya Newell
Drehbuch: Maya Newell
Schnitt: Rochelle Oshlack
Musik: Max Lyandvert
Verleih: Rise and Shine Cinema
FSK: 12
Kinostart: 23.06.2016

Website
IMDB

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.