Entfernung über GPS
ab PLZ

Dream Boat

Unterwegs mit der „Gay Cruise“

DREAM BOAT begleitet die „Gay Cruise“, eine Kreuzfahrt für schwule Männer. Von 3000 Passagieren stellt der Film eine Handvoll vor, darunter Ramzi, der wegen seiner Homosexualität aus Palästina nach Europa geflohen ist, und Dipankar aus Indien, der zuhause ungeoutet ist.

Mehr

Dass Kreuzfahrtschiffe sich bestens als Vehikel eignen, um einen ganzen Strauß von Geschichten zu erzählen, ist wahrlich keine Neuigkeit. Schon in den Siebziger Jahren stach im US-Fernsehen das „Love Boat“ in See, und auch das „Traumschiff“ dreht bekanntlich noch immer seine Runden auf den Meeren der Welt. Anders als in den Anfangstagen dieser TV-Serien sind Kreuzfahrten heute aber nicht mehr ultimativer Luxus, sondern längst Allerwelts-Urlaube und nicht selten auf ganz spezifische Zielgruppen zugeschnitten. So wie die „Gay Cruise“, auf die sich Tristan Ferland Milewski für seinen vom Fernsehen mitproduzierten Dokumentarfilm DREAM BOAT begibt. Aus den 3000 schwulen Männern auf dem Schiff sucht sich der Regisseur eine Handvoll Protagonisten aus, und die natürlich sehr gezielt: Der nicht mehr ganz junge Franzose Philippe sitzt im Rollstuhl, Ramzi musste wegen seiner Homosexualität aus Palästina nach Europa fliehen, der österreichische Fotograf Martin ist HIV-positiv, Dipankar aus Indien ist zuhause noch ungeoutet und fällt in der Masse nicht nur durch seine Hautfarbe, sondern auch durch sein Bäuchlein auf. Das sind interessante und wenig durchschnittliche Biografien, und nicht zuletzt der muskelbepackte Pole Marek überrascht mit sympathischer Selbstreflexion. Leider schippert DREAM BOAT meistens bloß auf der Oberfläche. Gelegentliche Versuche, die einander fremden Männer interagieren zu lassen, wirken forciert, und viel zu selten erfährt man, wie es ihnen auf dieser Reise wirklich geht. Überhaupt gäbe es noch viele Fragen, deren Beantwortung diese – das Thema Sex übrigens oft weiträumig umschiffende – Doku noch etwas interessanter hätte werden lassen. Was steht hier außer Partys und Fitness auf dem Programm? Wer sind die Menschen, die hinter den Kulissen den Kreuzfahrtbetrieb am Laufen halten? Und vor allem: Wohin geht die Reise überhaupt?

Patrick Heidmann

Teilen
Details

Deutschland 2017, 92 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Tristan Ferland Milewski
Drehbuch: Tristan Ferland Milewski
Musik: Jörg Junge, Jakob Stark
Verleih: Real Fiction
FSK: 16
Kinostart: 13.07.2017

IMDB

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.