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Berlinale VI: Natur als Seelenzustand

Wettbewerb: OUT STEALING HORSES

Das Beste an der Berlinale war schon immer, dass nach ihr der Frühling kommt. Vorerst durfte aber bei OUT STEALING HORSES nochmal mit Stellan Skarsgard im kalten Norwegen gefroren werden. Wenigstens erinnert der melancholische alte Kerl, der um seine verunglückte Frau trauert, an seine späte Kindheit und den letzten Sommer mit seinem Vater. Die Erinnerungsbilder sind von funkelnder Schönheit, wie eine Richard Attenborough-Doku über die norwegische Natur, nur dass die Natur hier stets entweder den Seelenzustand des 15 Jahre alten Trond spiegelt oder einfach als das Drama-Level anzeigt. Wenn bald ein Schuss fällt, stürmt es, wenn es erotisch wird, tropft Regen von feuchten Schenkeln, emotionaler Aufruhr donnert. Die Geschichte über Abschiede und das Gefühl, irgendwie am falschen Platz zu sein, kommt allerdings nicht richtig in die Gänge. Es passieren wohl Dinge – ein Kind stirbt, eine Frau taucht auf und wird begehrt, Bäume werden gefällt – aber die Literaturverfilmung wirkt wie ein Sandwich, dem die Mitte fehlt. Vielleicht war der gleichnamige Roman von Per Petterson ein großer philosophischer Roman. Vielleicht ist der Film nur ein Bilderbuch für Leser, die ihre Lieblingsstelle gern bebildert sehen wollen. OUT STEALING HORSES NICHT ist die schlechteste Wahl, wenn man auf der Berlinale mal ein Nickerchen machen will.

Weitere Vorführungen:
10.2. um 10.30 uhr im Haus der Berliner Festspiele
10.2. um 12.15 Uhr im Friedrichstadtpalast
10.2. um 21 Uhr im Friedrichstadtpalast
17.2. um 13 Uhr im Friedrichstadtpalast