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Jenseits-Behörde

Das Jenseits als bürokratische Behörde, wo immer irgendwer Mittagspause hat, wo der Drucker streikt und der Sachbearbeiter mehr als unfähig ist: Hierhin verschlägt es unversehens Resi, Philipp und Sophie, nach einem Autounfall aus dem Leben gerissen.

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Drei Bayern im Himmel: Formulare müssen ausgefüllt, das Gewissen getestet, der Glaube geprüft werden. Die beiden Damen am Empfang haben für die korrekte Weiterleitung zur zuständigen Fachabteilung pro Klient nur 8 Minuten, das haben sie genau ausgerechnet bei 2790 Todesfällen pro Tag im Einzugsgebiet der Zweigstelle Süddeutschland III/2. Das Jenseits als bürokratische Behörde, wo immer irgendwer Mittagspause hat, wo der Drucker streikt und der Sachbearbeiter mehr als unfähig ist, wo der Hausmeister – himmlisch: Rainer Bock – alles im Griff haben muss: Hierhin verschlägt es unversehens Resi, Philipp und Sophie, nach einem Autounfall aus dem Leben gerissen. Julius Grimm stattet sein Langfilmdebüt mit vielen Ideen, mit viel Witz aus, lässt seine Protagonist*innen durch die langen, immergleichen Korridore wandern, das Jenseits ist so eingerichtet, wie es den eigenen Vorlieben entspricht, und die Deutschen lieben bekanntlich Ordnung und Verwaltung …
Der Film verzweigt sich: Resi wird Praktikantin des Hausmeisters (und linst nach dessen Schlüssel, von dem sie sich den Ausweg erhofft), Sophie will die AGB lesen (und bekommt es mit trotziger Sturheit zu tun), Philipp plädiert auf Buddhismus (oder war er damals, beim augenscheinlichen Meditieren, nur heftig bekifft?), und in der Empfangshalle spielen Roy Bianco und die Abbrunzati Boys ihre Pseudo-Italiano-Schlager.
Dramaturgisch etwas ungelenk beginnt der Film langsam, lenkt mit einigen Nebensträngen von den Hauptpersonen ab, setzt auch etwas zu stark auf bajuwarische Gaudi. Dass er aber ein potenzieller Hit ist, beweist der Publikumspreis beim Filmfest München: Aus dem schwarzhumorigen Jenseitsspaß entwickelt sich eine emotionale Linie, die Sehnsucht nach Leben, nicht irgendeins, sondern ein eigenes, selbstbestimmtes. Als Alternative wartet immer noch das Nichts.

Harald Mühlbeyer

Details

Deutschland 2025, 105 min
Genre: Komödie
Regie: Julius Grimm
Drehbuch: Julius Grimm, Fabian Krebs
Kamera: Lea Dähne
Schnitt: Vincent Jost
Musik: Sebastian Borris, Benedikt Krüger
Verleih: Weltkino Filmverleih
Darsteller: Sarah Mahita, Rainer Bock, Nhung Hong, David Ali Rashed, Beritan Balci, Julian Gutmann
FSK: 6
Kinostart: 09.10.2025

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