
Neue Notiz
Zwei Staatsanwälte
Beklemmende Odyssee
Sergej Loznitsa hat diese beklemmende Odyssee durch den bürokratischen Terror beeindruckend in Szene gesetzt, nüchtern und auch mit bitterbösem Witz. In düsteren Bildern, fast farblos.
Mit dem Befehl 00447 steigerte sich in den Jahren 1937/38 der stalinistische Terror zum Wahnsinn. 1,5 Millionen Sowjetbürger wurden verhaftet, die Hälfte davon erschossen, Opfer der „großen Reinigung“. Eine notwendige Verjüngung nennt der stellvertretende Gefängnisdirektor diese Operation. Er ist, so wirkt es, kein Unmensch, im Gegenteil, herzlich lacht er über einen Witz. Leidenschaftslos, gehorsam tun die Menschen ihren Dienst in dem Labyrinth aus dunklen Gängen, vergitterten Räumen, verschlossenen Türen, durch das sich ein junger, adrett gekleideter Mann vorarbeiten muss bei seiner Mission. Es ist der eben ernannte Staatsanwalt des Oblasts Brjansk, Genosse Alexander Kornew. Eine Botschaft hat ihn erreicht, ein kleiner Zettel, mit Blut geschrieben, der Hilferuf seines verhafteten Vorgängers. Kornew also erkundigt sich nach dem Gefangenen Stepanek in Trakt 5, Zelle 84 - und allein der Umstand, dass er all das weiß, besiegelt sein Schicksal.
Doch lässt man ihn noch ein wenig schmoren, gestattet das Gespräch mit dem Insassen von Zelle 84. Festgenommen wurde der, weil er sich weigerte, Todesurteile gegen Unschuldige auszufertigen. Und da er nicht bereit ist, sich als schuldig selbst zu verleumden, hat man ihn gefoltert. Ein Unrecht, ein Verbrechen gegen das sowjetische Recht, das Kornew vortragen will ganz oben, in Moskau, beim Generalstaatsanwalt Andrej Wischinski. Der zeigt in ZWEI STAATSANWÄLTE, anders als in seinen ordinären Auftritten bei den Schauprozessen, keinerlei Regung, allenfalls Verwunderung über den Menschen, der an die Gerechtigkeit des Systems glaubt. Im Zug zurück nach Brjansk trifft Kornew auf zwei freundliche Typen, Liquidatoren von Beruf. Sie gratulieren ihm, weil er sich einsetzt für die Bürger. Zu dritt trinkt man etliche Wodka (ex) auf das sowjetische Recht, singt fröhlich das Lied vom besseren Leben, vom neuen Tag - und das geradezu liebevolle Lächeln des Genossen Petra macht einen frieren.
Sergej Loznitsas Film geht zurück auf den Roman von Georgj Demidow, einem Physiker, 1938 grundlos verhaftet, deportiert an die Kolyma. Der ukrainische Regisseur hat diese beklemmende Odyssee durch den bürokratischen Terror beeindruckend in Szene gesetzt, nüchtern und auch mit bitterbösem Witz. In düsteren Bildern, fast farblos. Nur das Parteibuch des Staatsanwalts Kornew ist kräftig rot, und warm leuchtet das Feuer, in dem dem ein Häftling einen Sack voller Papiere zu verbrennen hat. Es sind Briefe an den „lieben Genossen Stalin“.
Originaltitel: Two Prosecutors
Deutschland/ Frankreich/ Lettland/ Niederlande/ Rumänien/ Ukraine/ Litauen 2025, 118 min
Genre: Drama, Historienfilm
Regie: Sergei Loznitsa
Drehbuch: Sergei Loznitsa
Kamera: Oleg Mutu
Schnitt: Danielius Kokanauskis
Verleih: Progress Film
Darsteller: Alexander Kuznetsov, Anatoliy Belyy, Vytautas Kaniusonis, Aleksandr Filippenko
FSK: 12
Kinostart: 18.12.2025
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Zwei Staatsanwälte
(Two Prosecutors) | Deutschland/ Frankreich/ Lettland/ Niederlande/ Rumänien/ Ukraine/ Litauen 2025 | Drama, Historienfilm | R: Sergei Loznitsa | FSK: 12
Sergej Loznitsa hat diese beklemmende Odyssee durch den bürokratischen Terror beeindruckend in Szene gesetzt, nüchtern und auch mit bitterbösem Witz. In düsteren Bildern, fast farblos.
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