
Neue Notiz
Yurt (2023)
Im religiösen Internat
Regisseur Nehir Tunas autofiktional geprägtes Coming-of-Age-Drama verdichtet die politischen Spannungen der Türkei der 1990er Jahre in Ahmeds persönlichen Konflikten
Mitte der 1990er Jahre nehmen in der säkularen Türkei die Spannungen mit streng religiösen Strömungen zu. Auch Ahmeds Vater hat sich kürzlich der konservativen Gruppe Aczmendi angeschlossen. Nun soll der Teenager in deren Yurt, einer Art religiösem Internat, leben. Während Ahmed morgens weiterhin die öffentliche Schule besucht, Englisch lernt und eine zarte Freundschaft mit einer neuen Mitschülerin beginnt, muss er nachmittags und für die Nächte in die strenge Islamschule zurück. Dort herrscht ein rauer Umgangston unter den Schülern und die brutale Hand des Lehrers Yakup. Ahmed wird in beiden Welten zum Außenseiter. In der Schule muss er seinen neuen Wohnort verschweigen, im Yurt ist er wegen seiner wohlhabenden Familie Neid- und Mobbing-Objekt. Nur in Hakan, einem gewitzten Mitschüler, findet er einen Freund, der ihm zeigt, wie er geschickt die Internatsstrukturen für sich nutzen kann. Je enger die Regeln der religiösen Gruppe werden, desto fanatischer wird auch Ahmets Vater. In der Hoffnung auf Freiheit macht sich Ahmed mit seinem letzten Vertrauten Hakan in die Ungewissheit auf.
Regisseur Nehir Tuna erzählt in YURT die autofiktional geprägte Geschichte weiter, die er bereits in seinem ausgezeichnetem Kurzfilm THE SHOES anlegte. Das Coming-of-Age-Drama verdichtet die politischen Spannungen der Türkei jener Zeit in Ahmeds persönlichen Konflikten, zwischen elterlicher und ideologischer Kontrolle sowie dem inneren Erleben der Pubertät. Die Zerrissenheit Ahmeds drückt sich auch in der spielerischen Bildsprache aus. Das distanzierte Schwarz-Weiß wird von surrealistischen Szenen durchbrochen, in denen Ahmeds Fantasie übernimmt. Doğa Karakaş verleiht Ahmed dabei eine eigentümliche Anziehungskraft. Entrückt, fast unheimlich lächelnd triumphiert er über jedes Stückchen Freiheit, das er sich erkämpft.
Deutschland/Frankreich/Türkei 2023, 116 min
Sprache: Türkisch
Genre: Drama
Regie: Nehir Tuna
Drehbuch: Nehir Tuna
Kamera: Florent Herry
Schnitt: Ayris Alptekin
Musik: Avi Medina
Verleih: déja-vu film UG
Darsteller: Doğa Karakaş, Can Bartu Arslan, Ozan Çelik, Tansu Biçer
Kinostart: 19.06.2025
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