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Yes, God, Yes – Böse Mädchen beichten nicht

Sex und Jesus

Die Schülerin Alice geht auf eine christlich-evangelikale Schule und hadert mit der offiziellen Moral und ihrem aufkeimenden sexuellen Begehren. Charmanter Coming-of-Age-Film, in der Nathalia Dyer ihr komisches Talent ausspielen kann.

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Mitte der 90er Jahre chattet die Schülerin Alice (Nathalia Dyer) heimlich auf dem Computer ihrer Eltern im braven AOL-Chat und bekommt plötzlich eine Nachricht von einem Nutzer der sich „hairychest“ nennt. Auf ein Sex-Foto folgt die Frage, ob Alice „cybern“ will. Das sehr christliche Mädchen hat keine Ahnung, was das ist, und tippt „ok“. Alice ist zugleich verstört und erregt und weiß offenbar wenig über Anatomie und Sex.
In der Schule erklärt der Lehrer, ein junger Priester, dass Männer wie Mikrowellen sind und Frauen wie Backöfen, die man erstmal ein wenig vorheizen muss. Alles natürlich erst, wenn man verheiratet ist und zum Zwecke der Fortpflanzung. So puritanisch im Unterricht auch geredet wird, so verklemmt sexualisiert sind die Gespräche zwischen den Schüler:innen. Alice gerät ins Schussfeld des sexualisierten Mobbings, weil sie auf einer Party war. Dort soll sie mit dem einem Jungen in der Sauna etwas gemacht haben, das im englischen Slang als „salat tossing“ bezeichnet wird. Alice hat keine Ahnung, was das sein soll, aber sie bekommt die Verachtung der ganzen Schule zu spüren. Zwischen dem frömmelnden Puritanismus und ihrem erotischen Begehren hin und her gerissen versucht Alice mit sich und der Welt klar zu kommen.
Karen Maines Film YES, GOD, YES zeigt sehr genau die autoritären Mechanismen in christlichen Schulen und Sekten, mit den Bekenntnis-Gehirnwäschen in Jugendgruppen, den Abzeichen und Geheimnissen, der zwanghaften Fröhlichkeit und der allgegenwärtigen Heuchelei, die Alice im Laufe des Films aufdecken wird. Nathalia Dyer („Stranger Things“), inzwischen 25, wirkt hier immer noch sehr jung, aber sie zeigt hier auch, dass sie eines der größten komödiantischen Talente ihrer Generation ist. Ihr expressives Spiel macht den Film zu einem sehr lässigen Vergnügen und dürfte sie bald in wesentlich größere Rollen katapultieren.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Yes, God, Yes
USA 2019, 78 min
Sprache: Englisch
Genre: Komödie
Regie: Karen Maine
Drehbuch: Karen Maine
Kamera: Todd Antonio Somodevilla
Schnitt: Jennifer Lee
Musik: Ian Hultquist
Verleih: Capelight Pictures
Darsteller: Natalia Dyer, Timothy Simons, Wolfgang Novogratz, Francesca Reale, Susan Blackwell, Donna Lynne Champlin
Kinostart: 05.11.2020

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