
Neue Notiz
Yes
Zerstörung, Zerstörung
Nadav Lapids Film über die Korrumpierbarkeit der Kunst handelt von dem israelischen Musiker und Partyanimal Y (gesprochen „Yod“), der den Auftrag erhält, eine neue patriotische Hymne für das neue Israel zu schreiben.
Niemand kann Nadav Lapid nachsagen, dass er diplomatisch oder sentimental wäre. YES ist ein Film wie eine Ohrfeige, ein Tritt in die Weichteile, den Lapid dem Publikum, das zwischendurch auch mal direkt beschimpft wird, vor die Füße kotzt. Das ist durchaus nicht metaphorisch gemeint. In den ersten zehn Minuten taucht Hauptperson Y (gesprochen „Yod“) seinen besoffenen Kopf in Bowle, Pudding und diverse andere Substanzen, schnupft Kokain von nackten Hintern und kotzt sich die Seele aus dem Leib.
Y ist Musiker, Partyanimal und Speichellecker (ebenfalls wortwörtlich gemeint). Auf einer Party treffen er und seine Ehefrau Yasmin eine reiche alte Frau, der sie später gemeinsam die Ohren auslecken. Vielleicht, weil sie das so schön gemacht haben, erhält Y von einem reichen Oligarchen den Auftrag, eine neue Hymne für das Israel der Ära nach dem 7. Oktober zu schreiben. Als dröhnte nicht ohnehin schon patriotischer Kirmes-Techno durch ganz Tel Aviv. Yasmin will nicht, dass er den Auftrag annimmt, aber Y erhofft sich unermessliche Reichtümer von seinem neuen Status als Staatskünstler.
YES ist ein Film über die Korrumpierbarkeit von Kunst. Der Song, den Y komponiert, und der schließlich von einem Kinderchor aufgeführt wird, existiert bereits in der Wirklichkeit. Eine Gruppe, die sich „Civil Front“ nannte, produzierte ein Kinder-Video mit exakt diesem Text und pervertierte dazu das „Lied der Freundschaft“ von Sasha Argov und Haim Gour. Der Text beginnt so: „Die Herbstnacht senkt sich herab auf den Strand von Gaza, Flugzeuge werfen Bomben. Zerstörung, Zerstörung. Siehe, die Armee überschreitet die Grenze, um die Träger des Hakenkreuzes zu vernichten.“
Nadav Lapid lässt weder den Horror des Anschlags vom 7. Oktober 2023 aus, noch den Horror der israelischen Reaktion. Ys Freundin Leah zitiert in einer Kernszene Elemente aus Zeugenaussagen, die sie für die Regierung übersetzt. Sie schildert die widerlichen Morde der Hamas-Terroristen, aber auch Szenen aus Gaza, die einem das Blut kochen lassen. YES ist ein wütender, verzweifelter Film, bunter und böser als Lapids frühere Werke. Die Obszönität von Propaganda hat kaum jemand deutlicher ausgestellt.
Originaltitel: Ken
Deutschland/ Frankreich/ Israel/ Zypern 2025, 149 min
Genre: Drama
Regie: Nadav Lapid
Drehbuch: Nadav Lapid
Kamera: Shai Goldman
Schnitt: Nili Feller
Musik: Sleeping Giant, Omer Klein
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Ariel Bronz, Efrat Dor, Naama Preis, Alexey Serebryakov, Sharon Alexander
Kinostart: 13.11.2025
Vorführungen
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