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Wuthering Heights – Sturmhöhe

Brachiale Fanfiction

Glühende Liebe, abgründige Grausamkeit, bodenlose Verzweiflung – in einer Art Fanfiction konzentriert sich Fennell ganz auf die gefühlsgeladenen „Stellen“ im Roman.

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Emerald Fennell (PROMISING YOUNG WOMAN, SALTBURN) ist eine Art Jeff Koons des zeitgenössischen Kinos. Oberfläche ist alles, und von Sublimierung oder Subtext hält sie nichts. Umso erstaunlicher ist, dass sie nun ausgerechnet Emily Brontës düsteres Hochmoor-Psychodrama, in dem die unterdrückten Gefühle sich in der Natur und der Atmosphäre manifestieren, verfilmt hat. Die Kälte, die Feuchtigkeit, die Weite, die Stille und die Depression der Yorkshire Moors spielten die Hauptrolle in Andrea Arnolds windgepeitschter Adaption von 2011. Fennell dagegen verdichtet/reduziert den epischen, sich über mehrere Generationen erstreckenden gothic Roman auf wenige Jahre, sechs Hauptpersonen und die grelle erotische Fantasie, die auch darin steckt.

Sex und Gewalt sind von der ersten Sekunde an die bestimmenden Motive des Films: Auf dem Marktplatz sieht das Volk einer Hängung zu. Die Menge johlt, zwei Jungs im Publikum beömmeln sich über den erigierten Penis des Straftäters, die Kamera hält drauf, und die vielleicht achtjährige Cathy sieht dem Spektakel mit leuchtenden Augen zu. Die Tonlage bleibt auch weiterhin und auf allen Ebenen exzessiv. Cathys Vater, Mr. Earnshaw (Martin Clunes), ist ein besoffener Choleriker, der zwischen Brutalität und Sentimentalität hin und her taumelt. Cathy (Charlotte Mellington) und der Junge Heathcliff (Owen Cooper aus „Adolescence“), den Earnshaw in einem Anfall von Mildtätigkeit aufgenommen hat, sind wilde Blutsgeschwister, die über die Moore toben, in denen niemals kein Nebel hängt, und einander mit Leib und Leben vor der Wut des Patriarchen beschützen. Nur Nelly (Hong Chau), die eine Rolle zwischen Haushälterin, Mutterersatz und großer Schwester von Cathy einnimmt und das trostlose Anwesen der Earnshows zusammenhält, bildet ein mildes Gegengewicht.

Cathy und Heathcliff werden als Erwachsene von Margot Robbie und Jacob Elordi gespielt. Die Entscheidung wurde im Vorfeld schon im Internet heiß debattiert und kritisiert – Elordi sei zu weiß, Robbie zu alt für die Rolle –, und es stimmt, dass man sich an Margot Robbie als Cathy, die im Roman zu diesem Zeitpunkt gerade mal 16 ist, eine Weile gewöhnen muss, zumal an ihren britischen Jane-Austen-Akzent. Aber die Chemie zwischen den beiden Darstellern funktioniert, der Film hat ohnehin nur sehr lose mit dem Vorbild oder irgendeiner Form von Realismus zu tun, und noch ein Element mag eine Rolle gespielt haben: Fennell baut in die sexuellen Beziehungen des Films BDSM-Elemente ein, die sich mit weit jüngeren Darstellenden weit unbehaglicher angefühlt hätten. Durch die Balken des Heubodens schaut Cathy in einer Schlüsselszene Knecht Josef und Magd Zillah dabei zu, wie sie mit dem Pferdegeschirr spielen. Bis Heathcliff ihr die Augen zuhält und beide dem Stöhnen von unten lauschen. Kinky, aber (noch) keusch.

Ihren Gefühlen für Heathcliff zum Trotz heiratet Cathy den reichen, sauberen Edgar Linton (Shazad Latif) vom Nachbaranwesen, und die Tragödie um unterdrückte und heimliche Leidenschaft nimmt ihren Lauf: Heathcliff zieht in die Welt und kehrt zurück. Die flammenden Gefühle sind immer noch da. Edgars „Mündel“, die fröhliche und etwas naive Isabella (Alison Oliver), wird in das Inferno gezogen, als sie sich in den ungehobelten, attraktiven Heathcliff verliebt.

Glühende Liebe, abgründige Grausamkeit, bodenlose Verzweiflung – in einer Art Fanfiction konzentriert sich Fennell ganz auf die gefühlsgeladenen „Stellen“ im Roman, baut diese aus und erfindet auch jede Menge hinzu. Brachial sind in WUTHERING HEIGHTS nicht nur die Gefühle, sondern auch Kamera, Ausstattung und Set-Design zelebrieren eine schrille Künstlichkeit, und der Score von Anthony Willis hat die Subtilität von FLUCH DER KARIBIK. Die Sets erinnern mit ihren schrägen Türmen und bühnenhaften Innenräumen an eine Mischung aus tschechischen Märchenfilmen und David Lynchs Red Room und Cathys Kostüme an Barbieballkleider. War es bei Douglas Sirk noch ein diskreter Riss in der Kaffeekanne, der einen Knacks im Beziehungsgefüge symbolisierte, so ist hier gleich der ganze Flur im Anwesen der Lintons blutrot gefärbt, und Cathys Schlafzimmer bringt einen Hauch von Kannibalismus ins Spiel. „Das Zimmer hat die schönste Farbe der Welt“, sagt Edgar: „die deiner Haut.“ Und wirklich ist die Polsterung an der Wand altrosa – inklusive Äderchen und Sommersprosse.

Die Ästhetik von WUTHERING HEIGHTS gleicht der von Instagram-optimierten Fotos: scharfe Kontraste, leuchtende Farben, wenig Clutter und überlebensgroße Metaphern, die sich in Sekundenbruchteilen erschließen. Das hat durchaus eine eigene Faszination, hinterlässt aber auch ein dumpfes, schales Gefühl und erinnert eher an die Lektüreerfahrung von „The Castle of Otranto“ oder „Die Nebel von Avalon“ als an Brontës „Sturmhöhe“. Habe ich mich gut unterhalten? Ja. Kann ich den Film empfehlen? Kommt drauf an. Möchte ich jetzt jedes Jahr ein literarisches Meisterwerk als Emerald-Fennell-Erotikthriller sehen? Vielleicht eher doch nicht.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Wuthering Heights
USA/Großbritannien 2026, 136 min
Sprache: Englisch
Genre: Drama, Romance, Literaturverfilmung
Regie: Emerald Fennell
Drehbuch: Emerald Fennell
Kamera: Linus Sandgren
Musik: Anthony Willis
Verleih: Warner Bros.
Darsteller: Margot Robbie, Jacob Elordi, Shazad Latif, Owen Cooper, Hong Chau, Alison Oliver
Kinostart: 12.02.2026

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Wuthering Heights - Sturmhöhe

(Wuthering Heights) | USA/Großbritannien 2026 | Drama, Romance, Literaturverfilmung | R: Emerald Fennell

Glühende Liebe, abgründige Grausamkeit, bodenlose Verzweiflung – in einer Art Fanfiction konzentriert sich Fennell ganz auf die gefühlsgeladenen „Stellen“ im Roman.

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