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Wunder der Wirklichkeit

Verunglückte Performance-Künstler

Kurz vor Weihnachten 1991 stürzte in der Nähe von Heidelberg eine historische DC-3 ab, die der Künstler Martin Kirchberger und sein Team für einen Kurzfilm gechartert hatten. Kirchbergers Freund, der Filmemacher Thomas Frickel, beleuchtet die Umstände des Unglücks und Kirchbergers kurze Karriere.

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Kurz vor Weihnachten 1991 stürzte in der Nähe von Heidelberg eine historische DC-3 ab, nachdem sie mit einem Berg kollidiert war. Der Flieger war von „Cinema Concetta“, einer Gruppe um den Künstler Martin Kirchberger für einen Kurzfilm über eine Kaffeefahrt gechartert worden. Bei diesem Absturz kamen der 31-jährige Kirchberger und 27 weitere am Film beteiligte Personen ums Leben. Nach einem Vierteljahrhundert Abstand sieht sich Kirchbergers Freund, der Filmemacher Thomas Frickel, endlich in der Lage, die Umstände des Crashs und Kirchbergers Werdegang zu beleuchten. Er schaut auf Kirchbergers Anfänge mit Fluxus-artiger Performance Art, seine moderat erfolgreiche Karriere als „Wendemaler“ [sic!], bei der er unter anderem gegen den maschinenlesbaren Personalausweis protestierte, indem er das örtliche Passamt mit einem Wandgemälde von Adam Opels Ausweis dekorierte, und seine leidenschaftliche, aber wenig lukrative Produktion von satirischen Kurzfilmen. Dabei kommt nicht nur Kirchberger, bei dem die Kamera scheinbar immer mitlief, zu Wort, sondern auch seine Familie, Freunde und die Angehörigen der Leute, die mit ihm verunglückten. Was Kirchberger jenseits eines ausgeprägten Spieltriebs und des Wunsches, in der Rüsselsheimer Spießigkeit anzuecken, motivierte, bleibt ein wenig vage. Sehr deutlich wird, dass sich die künstlerisch Aktiven wie eine Art Familie verbunden fühlten. So setzt Frickel nicht nur seinem Freund, sondern auch einer ganzen Bewegung der 1980er ein Denkmal, schaut auf Ehen und ein Filmfestival, die nach dem Unglück entstanden und dreht in einer Szene den von Cinema Concetta unrealisierten Kurzfilm über Flüchtlinge, die die Reste eines Galadiners verputzen dürfen, nach. Einer von Kirchbergers Slogans war „Vielleicht war alles umsonst, aber wir hatten ein gutes Gefühl.“

Christian Klose

Details

Deutschland 2017, 97 min
Genre: Dokumentarfilm, Biografie
Regie: Thomas Frickel
Drehbuch: Thomas Frickel
Kamera: Voxi Bärenklau
Schnitt: Torsten Truscheit
Musik: Dietmar Staskowiak
Verleih: Real Fiction
Kinostart: 24.05.2018

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