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Wilma will mehr

Pragmatisch, patent, pflichtbewusst

WILMA WILL MEHR ist der Versuch, die Umbruchszeit nach dem Untergang der DDR aus Sicht einer ehemaligen Industrie-Arbeiterin greifbar zu machen.

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Dann eben Wien, denkt sich Wilma. Schlechter als in ihrer Lausitzer Heimat kann es ihr dort auch nicht ergehen. Die gelernte Maschinistin im Tagebau ist ein Kind des Ostens. Pragmatisch, patent, pflichtbewusst. Nach der Wende blieb ihr trotz diverser Umschulungen nur ein Job im Einzelhandel - und zuhause ein Ehemann mit Alpakas im Garten, der sie mit ihrer Freundin betrügt. Mit dem Fernbus kommt Wilma in der österreichischen Hauptstadt an. „Allet wird anders“, prostet sie im Kaffeehaus hoffnungsvoll ihrem Exkollegen Martin zu. Die Freundschaft zwischen ihnen ist noch von früher romantisch aufgeladen. Als erste Bleibe bietet er ihr seine kleine Datsche am Wiener Stadtrand an. Doch Wilma braucht schnellstmöglich einen festen Wohnsitz, wenn sie in der Fremde Fuß fassen will. Gleichzeitig sucht sie eine Arbeit, die sie erfüllt und ihren Qualifikationen entspricht. Bis dahin repariert Wilma alles, was sie in die Hände bekommt: Lampen, Haartrockner, Sandwich-Maker.
Die Regisseurin und Drehbuchautorin Maren-Kea Freese hat ein Faible für Frauen wie Wilma. Ihr imponieren die Macherinnen aus dem Osten, die anzupacken wissen, und wenn es sein muss, auch überlebensnotwendige Entscheidungen treffen. Freese selbst ist gebürtige Hamburgerin, lebt aber seit den 1980er Jahren in Berlin. WILMA WILL MEHR ist ihr Versuch, die Umbruchszeit nach dem Untergang der DDR aus Sicht einer ehemaligen Industrie-Arbeiterin greifbar zu machen. Mit Fritzi Haberlandt in der Titelrolle hat sie eine Frauenfigur geschaffen, die zugleich träumerisch und desillusioniert in die Zukunft blickt. Wie sie für ihr kleines Stück vom Glück kämpft, ohne ihre Würde einzubüßen, ist trotz einiger Längen und tonaler Ungereimtheiten mit leisem Humor unterhaltsam inszeniert. Haberlandts trockener Charme reibt sich dabei gekonnt am Schmäh der Wiener.

Pamela Jahn

Details

Deutschland 2025, 110 min
Genre: Drama, Tragikomödie
Regie: Maren-Kea Freese
Drehbuch: Maren-Kea Freese
Kamera: Michael Kotschi
Schnitt: Andrea Muñoz
Musik: Cassis Birgit Staudt
Verleih: Neue Visionen
Darsteller: Fritzi Haberlandt, Thomas Gerber, Stephan Grossmann, Meret Engelhardt
Kinostart: 31.07.2025

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