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Willkommen in Marwen

Nachdem der Künstler und Fotograf Mark Hogancamp von Rechtsradikalen brutal zusammengeschlagen wird, verliert er Teile seines Gedächtnisses. Sein Trauma verarbeitet er, indem er eine belgische Miniaturstadt baute, in der sein Puppen-Ich gegen Nazis kämpft.

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Klar, dass so eine Geschichte verfilmt werden muss: Im Jahr 2000 wurde der Künstler und Fotograf Mark Hogancamp vor einer Bar im Staat New York von fünf Rechtsradikalen brutal zusammengeschlagen. Tagelang lag er im Koma und als er erwachte, hatte er weite Teile seines Gedächtnisses verloren. Aus Geldmangel konnte er sich keine Therapie leisten und so half er sich selbst: Er begann eine Miniaturstadt zu bauen, eine belgische Ortschaft aus dem Zweiten Weltkrieg, die er mit Barbie-Puppen füllte – und sich selbst als Ken, der als Hahn im Korb der Pin-Ups lebte. So lebensecht wirkte diese Welt, so bemerkenswert waren die Fotos, die Hogancamp von ihr schoss, dass eine New Yorker Galerie sie ausstellte.
2010 drehte Jeff Malmbergs den Dokumentarfilm MARWENCOL über die Geschichte, nun hat sie Robert Zemeckis als Spielfilm adaptiert. Und wenn man Zemeckis Karriere verfolgt hat kann man ahnen, was ihn gereizt hat: Zum einen sicher die anrührende Geschichte eines traumatisierten Mannes – gespielt von Steve Carell – der in der Realität ein Eigenbrötler ist und sich nur in seiner Phantasiewelt stark fühlt, zum anderen aber auch die technische Herausforderung. Und vor allem die Art und Weise, in der Zemeckis die Puppenwelt zeigt, gefilmt in der von ihm so geschätzten Motion-Capture-Technik, beeindruckt. Man sieht keine fließende Animation, sondern eine etwas gestelzt anmutende Puppenwelt, in der Mark immer wieder gegen Nazis kämpft, die seinen Angreifern in der Realität ähneln. Das sowohl er selbst, als auch sein Puppen-Ich gern hochhackige Schuhe tragen, verleiht der Geschichte zumindest im Ansatz zusätzliche Komplexität, die allerdings ein wenig beschämt zur Seite geschoben wird. In solche emotionale Ambivalenz wagt sich Zemeckis nur ungerne. Das ist schade, denn so bleibt WILLKOMMEN IN MARWEN vor allem als skurrile Geschichte in Erinnerung, deren emotionale Vielschichtigkeit man nur erahnen kann.

Michael Meyns

Details

Originaltitel: Welcome to Marwen
USA 2018, 116 min
Sprache: Englisch
Genre: Drama, Biografie
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: Caroline Thompson, Robert Zemeckis
Kamera: C. Kim Miles
Schnitt: Jeremiah O'Driscoll
Musik: Alan Silvestri
Verleih: Universal Pictures International
Darsteller: Steve Carell, Leslie Mann, Diane Kruger, Gwendoline Christie
FSK: 12
Kinostart: 28.03.2019

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