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Watchtower

Vom Ende der Lyrik

Nihat arbeitet auf einem einsamen Wachturm, von dem aus er tagein tagaus nach Waldbränden Ausschau hält. Studentin Seher nimmt einen Job als Bus-Stewardess in der Provinz an. Zwei Menschen auf der Flucht, die sich eines Tages begegnen.

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„Ich schrieb als Schüler tolle Gedichte“, erzählt der Busfahrer (Kadir Cermik) der Protagonistin Seher (Nilay Erdonmez), die ihn auf den langen Überlandfahrten durch die idyllische Landschaft der nördlichen Türkei begleitet. „Als Schüler schreibt man Gedichte“, erwidert die junge Frau nachdenklich, und er ergänzt wissend: „Und dann... das Leben“. WATCHTOWER erzählt vom Leben zweier Menschen auf der Flucht. Die Studentin Seher hat sich von ihrer Familie abgeschirmt, und nimmt ohne ersichtlichen Grund einen Job als Bus-Stewardess in der Provinz an. Als wolle sie immer unterwegs sein, aber niemals ankommen. Nihat (Olgun Simsek) wiederum zieht sich in eine Art freiwillige Isolationshaft zurück. Im titelgebenden Wachturm, inmitten der bergigen Landschaft, wird er zum Hüter des Waldes, den er regelmäßig nach Anzeichen für ein drohendes Feuer absucht. Seine Verbindung zur Außenwelt bleibt nahezu auf einen Satz beschränkt, den er täglich mehrmals in das Funkgerät sprechen muss: „Situation normal“. Doch an seinem Verhalten ist nichts normal. Ein dunkles Geheimnis belastet seine Seele, für das er sich selbst bestrafen zu wollen scheint. Was will er mit der monotonen Überwachung dieses kleinen Fleckchens Erde beweisen? Die Regisseurin Pelin Esmer erzählt in ihrem Melodram von zwei Menschen, die in einer Blase gefangen scheinen, sichtbar zwar, aber unantastbar; die ihre Arbeit nutzen, um sich vor ihren persönlichen Befindlichkeiten zu verstecken. Deswegen ist es wohl auch kein Wunder, dass Seher und Nihat beim Aufeinandertreffen eine Verbundenheit spüren, und kurze Zeit später ihre Rollen wieder einmal in Frage stellen müssen, dann aber als Reflektion des jeweils anderen. In WATCHTOWER erzählt Pelin Esmer vom Verlust der Unschuld, dem Schmerz der Erinnerung und vom Ende der Lyrik. Vom Leben.

Jens Mayer

Details

Originaltitel: Gözetleme Kulesi
Türkei/Deutschland 2013, 96 min
Genre: Drama
Regie: Pelin Esmer
Drehbuch: Pelin Esmer
Kamera: Eken Ozgur
Schnitt: Ayhan Ergürsel
Verleih: AF-Media
Darsteller: Olgun Simsek, Nilay Erdonmez, Laçin Ceylan, Menderes Samancilar, Riza Akin
FSK: 12
Kinostart: 17.04.2014

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