
Neue Notiz
Wanda
Wanda, gespielt von Barbara Loden selbst, hat Mann und Kinder verlassen und ist auf einer Suche, bei der unklar ist, wo sie hinführen könnte.
Im New-Hollywood-Kino der frühen sechziger und siebziger Jahre und im europäischen Autorenfilm derselben Zeit wimmelt es von Drifter-Figuren - Charaktere, die sich treiben lassen, ohne Ziel, erkennbaren Sinn und soziale Zugehörigkeit, meist auch ohne Geld. Barbara Loden erzählt in WANDA von 1970 zum ersten Mal von einer weiblichen Figur, die auf diese Art unterwegs ist. Der Film blieb der einzige, den sie realisieren konnte. In der großen Zeit von Coppola, Penn und Scorsese war eine Regisseurin noch eine Rarität, und in den berühmten Filmen dieser Ära sucht man vielschichtige Frauenfiguren meist vergeblich. Wanda, gespielt von Loden selbst, hat Mann und Kinder verlassen und ist auf einer Suche, bei der unklar ist, wo sie hinführen könnte. Ihre Sehnsucht nach Freiheit ist spürbar darin, wie sie seitdem durch die Welt treibt – ohne Wohnsitz und Arbeit, nie lange an einem Ort und doch mit einer diffusen Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Ihre Entschlossenheit scheint mit ihrer Flucht aufgebraucht zu sein, sie weiß nichts anzufangen mit ihrer Situation, und die Begegnungen mit der Welt geben auch keine Idee. Alle Männer, die wollen, dürfen sie zum Essen einladen, sie geht mit in jedes Hotelzimmer, und als ein Bankräuber sie zu seiner Komplizin macht, folgt sie ihm wie selbstverständlich. Herzzerreißend wird dies vor allem durch Barbara Lodens intensives Spiel. Wanda sieht aus wie eine leicht derangierte Barbie (die auf Befehl des Bankräubers keine Hosen tragen darf), ist immer bestrebt, nicht zu stören, und hat nicht das kleinste bisschen Selbstbewusstsein: „I’m just no good“, sagt sie, als sie nach sich selbst gefragt wird. Doch unter der Oberfläche brodeln Emotionen, Gedanken, Sehnsüchte – und finden keinen Ausdruck. WANDA ist weniger ein explizit feministischer Film als ein Film vor dem Feminismus, ein Porträt einer Welt und einer sicher nicht untypischen Figur, der die Idee von weiblicher Selbstermächtigung noch fremd ist.
USA 1970, 102 min
Sprache: Englisch
Genre: Drama
Regie: Barbara Loden
Drehbuch: Barbara Loden
Kamera: Nicholas T. Proferes
Schnitt: Nicholas T. Proferes
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Barbara Loden, Michael Higgins, Jerome Thier
Kinostart: 09.04.2026
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Vorführungen

Wanda
USA 1970 | Drama | R: Barbara Loden
Wanda, gespielt von Barbara Loden selbst, hat Mann und Kinder verlassen und ist auf einer Suche, bei der unklar ist, wo sie hinführen könnte.
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