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Von der Beraubung der Zeit

Berichte aus einer Welt ohne Draußen

In VON DER BERAUBUNG DER ZEIT erzählen drei Langzeit-Häftlinge davon, wie sich die Perspektive verändert, wenn sie für unabsehbare Zeit auf zehn Quadratmeter schrumpft.

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Helmut Poscher, Kenny Berger und Samuel Conley sind seit Jahren, zum Teil seit Jahrzehnten im Gefängnis, einen Entlassungstermin haben sie nicht. In VON DER BERAUBUNG DER ZEIT erzählen sie davon, wie sich die Perspektive verändert, wenn sie für unabsehbare Zeit auf zehn Quadratmeter schrumpft. Eloquent und detailliert beschreiben sie ihre Lebensumstände, ihre Routinen und ihre Strategien um mit dem Extremzustand Haft umzugehen. Während Samuel Conley beispielsweise jede Nische nutzt, um aus seiner Zelle mit Pflanzen und Gegenständen einen privaten Raum, ein zuhause zu schaffen, vermeidet Helmut Poscher es ganz bewusst, sich häuslich einzurichten. Er will nicht vergessen, dass er gezwungen ist, im Gefängnis zu sitzen, dass er sich in einem Ausnahmezustand befindet. Lieber sieht er aus dem Fenster, nach den Vögeln, den Bauern, den Jahreszeiten. Die Protagonisten sprechen auch über ihr Verhältnis zu ihren Taten von denen man ahnt, dass sie furchterregend sein mussten, um so lange Haftstrafen nach sich zu ziehen, über Schuld und die Unmöglichkeit von Vergebung. Am berührendsten aber ist es, wenn sie über Zeit reden. Während andere Häftlinge vor allem darauf warten, entlassen zu werden und die Zeit in Haft als Übergang empfinden, ist den Langzeitsträflingen bewusst, dass jeder Tag, der vergeht, sie nicht nur einen Tag näher an die imaginäre Entlassung bringt, sondern auch an den Tod. In ihrem streng arrangierten Dokumentarfilm wechseln Daniel Poštrak und Jörn Neumann konzentrierte Interviewszenen mit ruhigen Landschaftsaufnahmen ab, die an die in der Bildgestaltung an die Filme von Hartmut Bitomsky (B52, STAUB) erinnern. Sie zeigen den Bau eines Gefängnisses. Ein anderes Drinnen wird errichtet, ein Draußen gibt es nicht.

Hendrike Bake

Details

Deutschland 2013, 79 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Jörn Neumann, Daniel Poštrak
Drehbuch: Jörn Neumann, Daniel Poštrak
Kamera: Jörn Neumann
Schnitt: Daniel Poštrak, Oliver Schwabe
Verleih: Real Fiction
Darsteller: Helmut Poscher, Kenny Berger, Samuel Conley
FSK: 12
Kinostart: 03.07.2014

Vorführungen

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