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Von Caligari zu Hitler

Eine Liebeserklärung

In seinem Dokumentarfilm über das Filmschaffen der Weimarer Republik montiert der Filmkritiker Rüdiger Suchsland eine beeindruckende Fülle von Material zu einem schillernden, vielfältigen und aufregenden Panorama der Epoche.

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In seinem Dokumentarfilm über das Filmschaffen der Weimarer Republik montiert der Filmkritiker Rüdiger Suchsland eine beeindruckende Fülle von Material zu einem schillernden, vielfältigen und aufregenden Panorama der Epoche. Der Film war gerade erst erfunden, da entfaltete er sich ausgerechnet im krisengeschüttelten Nachkriegsdeutschland und seiner noch jungen, umkämpften Demokratie zu voller Blüte. Die Filmemacher probierten sich aus, erfanden die Genres, revolutionierten die Kamera, begriffen Film als Kunst und als Spektakel. Vom Action Thriller zum Neorealismus - hier war alles bereits da. Mit unzähligen Filmbeispielen beschwört Suchsland den filmischen Reichtum der Zeit, nennt natürlich die großen Namen wie Murnau, Lang, Ruttmann, Wilder, aber lenkt den Blick auch auf weniger bekannte, absolut entdeckenswerte Filmemacher, auf Werner Hochbaum etwa und seine traumhaft fotografierten sozialistischen Hamburger Arbeiterdramen, auf Robert Reinert, der in NERVEN die fiebrige Unrast der Zeit einfing, oder Marie Harder, eine der vergessenen Frauen der Filmgeschichte.
In den so unterschiedlichen Bildern und Geschichten sucht Suchsland auch nach den Spuren der Epoche in der sie gedreht wurden, nach den Nachbildern des ersten Weltkriegs, nach der Aufbruchsstimmung der „goldenen“ Zwanziger, nach den Vorahnungen der Diktatur. Er findet sie in den verzerrten Fratzen des DOKTOR CALIGARI, in den hoffnungsvoll nüchternen Stadtgeschichten von MENSCHEN AM SONNTAG und im Netz des Verbrechens, das in M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER über einer ganzen Stadt liegt. VON CALIGARI BIS HITLER ist Hommage, Liebeserklärung, Beschwörung und Totenklage. Immer wieder spricht Suchsland im poetisch-klugen Off-Kommentar die Namen der Pioniere aus, als könnte er sie zurück rufen. Er kann es nicht. Wenn im Abspann die Genannten noch einmal auftauchen, mit dem Vermerk "emigriert 1933, 1936, 1939... " wird 60 Jahre nach Ende der Hitlerdiktatur einmal mehr klar: 1933 hat Deutschland sich selbst vernichtet.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Von Caligari zu Hitler: Das deutsche Kino im Zeitalter der Massen
Deutschland 2014, 119 min
Genre: Biografie, Dokumentarfilm
Regie: Rüdiger Suchsland
Drehbuch: Rüdiger Suchsland
Kamera: Harald Schmuck, Frank Reimann
Musik: Michael Hartmann, Henrik Albrecht
Verleih: Real Fiction/W-Werner
FSK: oA
Kinostart: 28.05.2015

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