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Aus unerfindlichen Gründen

Gábor Reisz erzählt von einem Aufbruch, der abbricht, auf witzige und gewitzte Art: Denn die Geschichte von Schluffi Aron ist auch eine von seinen Freunden, die ihm nicht zuhören, von der Frau Mama, die alles für ihn regelt, vom perfekten Leben, das alle anderen zu führen scheinen.

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Die Ex hat ihre Bücher mitgenommen, die Kühlschrankmagneten und sogar ihre Haare aus dem Abfluss. Jetzt vergeht Aron in selbstmitleidiger Verzweiflung, mehr noch als zuvor. Aron ist unverbesserlich luschiger Slacker in Budapest, ein Umstandskrämer mit Hauptfach Prokrastination, gleichwohl mit komplexem Seelenleben – wenn dieses auch stets völlig falsch ausgerichtet ist, nach rückwärts und nach innen. Wobei: Er bemüht sich ja. Sucht etwa eifrig nach dieser hübschen Straßenbahnkontrolleurin namens Eva Tinte, und geht auch mal aufs Arbeitsamt. Dann passiert aber doch etwas mit ihm und seinem Leben: Im Suff kauft sich Aron ein Flugticket nach Lissabon. Was ihn aber dennoch nicht zu einer handelnden Person macht: Nichtstun kann er in Portugal ebenso gut wie in Ungarn.
Gábor Reisz erzählt von einem Aufbruch, der abbricht, auf witzige und gewitzte Art: Denn die Geschichte von Schluffi Aron ist auch eine von seinen Freunden, die ihm nicht zuhören, von der Frau Mama, die alles für ihn regelt, vom perfekten Leben, das alle anderen zu führen scheinen. Immer wieder lässt Reisz die Nebenfiguren auftreten und nach Art von Werbebotschaften den Alltag ihres Lebens in die Kamera anpreisen; irgendwann gibt es eine Musicaleinlage. Und die vielen kleinen, surrealen Momente, die Reisz einbaut, führen ins Reich des poetischen Absurdismus – und damit in eine hintergründige Wahrhaftigkeit. Wahrscheinlich weiß Reisz ganz genau, wovon er spricht: Wenn der Regisseur im Abspann kurz zu sehen ist, hat er die gleichen Kleider an wie Aron.

Harald Mühlbeyer

Details

Originaltitel: VAN valami furcsa és megmagyarázhatatlan
Ungarn 2014, 89 min
Sprache: Ungarisch
Regie: Gábor Reisz
Drehbuch: Gábor Reisz
Kamera: Gábor Reisz
Schnitt: Zsófia Tálas
Musik: Lóci Csorba, Gábor Reisz
Verleih: déjà-vu film
Darsteller: Áron Ferenczik, Kata Bach, Juli Jakab, Katalin Takács, Zsolt Kovács
Kinostart: 29.10.2015

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