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Utøya 22. Juli

Attentat in Echtzeit

Am 22. Juli 2011 erschoss ein rechtsradikaler Attentäter auf der Insel Utøya 69 Menschen, die dort das Sommerlager der norwegischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei besuchten. Poppe erzählt das 72 Munten währende Attentat aus der Sicht eines der Oper in einer einzigen ungeschnittenen Kamerasequenz.

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Am 22. Juli 2011 explodierte um 15.25 Uhr eine Autobombe vor dem Bürogebäude des norwegischen Ministerpräsidenten. Während Polizei und Militär alle Kräfte auf Oslo konzentrierten, machte sich der Attentäter Andreas Breivik auf den Weg zur 30 km entfernten Insel Utøya im Tyrifjord, einem Binnensee, auf der das Sommerlager der norwegischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei (AUF) stattfand, und erschoss dort 69 Menschen aus nächster Nähe, 38 von ihnen waren unter 18 Jahre alt. Es dauerte 72 Minuten von den ersten Schüssen bis zum Zeitpunkt, an dem die Polizei Breivik festnahm, der sich freiwillig stellte.

In UTØYA 22. JULI, der auf der diesjährigen Berlinale im Wettbewerb lief, erzählt der renommierte norwegische Regisseur Erik Poppe von diesen 72 Minuten quasi in Echtzeit und in einer einzigen ungeschnittenen Steadycam-Sequenz. Nachdem ein Vorspann den Anschlag in Oslo zeigt, begibt sich der Film auf die Insel Utøya und in das Zeltlager der Jugendlichen, in dem die Ereignisse in der Hauptstadt gerade diskutiert werden. Issa macht sich Sorgen, was der Anschlag für die Muslime in Norwegen bedeutet, die 18-jährige Kaja herrscht ihre jüngere Schwester Emilia an, die gerade kichernd vom Baden kommt. Dann sind erste Schüsse zu hören und die Jugendlichen flüchten sich in eine Baracke und dann weiter in den Wald, der mit seinen lichten Kiefern kaum Schutz bietet. Die Kamera bleibt immer bei Kaja und erlebt, was sie erlebt, ist bei ihr in ihren erstem und zweiten „Versteck“ - eine flache Mulde hinter einem Baum, eine Felsspalte an der Wasserkante, von oben durch einen dürren Busch etwas abgeschirmt – und bei ihren verzweifelten Versuchen, die Schwester zu finden. Emilia begegnet anderen Jugendlichen, erlebt, wie ein Mädchen an seinen Verletzungen stirbt und versucht immer wieder zu telefonieren, mit der Mutter, mit der Polizei, mit Emilia.

Regisseur Erik Poppe hat das Drehbuch zusammen mit Überlebenden des Massakers entwickelt und ganz bewusst darauf verzichtet, eine einzelne Geschichte herauszugreifen, um die Opfer zu schützen. Seine Kaja ist ein Kondensat der vielen Geschichten, die ihm Überlebende und Freunde von Verstorbenen erzählt haben, und seine Filmfassung hat er zunächst den Opfern gezeigt, bevor er damit an die Öffentlichkeit gegangen ist. Andere Entscheidungen sind ähnlich programmatisch und auf der Grenze zwischen Politik und Ästhetik angesiedelt: Der Film ist in einer einzigen Einstellung gedreht, denn Poppe wollte das Gefühl der Ausweglosigkeit und Dauer einfangen, das die Jugendlichen in den 72 Minuten durchlebten. Aber natürlich ist ein One-Take-Shot zugleich auch eine filmästhetische Kür, von der Regisseure seit jeher träumen. Poppe verzichtet auf Musik, umso erschütternder wirken die Schüsse, die in ihrer vollen Anzahl durch den Film hallen. Ebenso verzichtet Poppe darauf, den Täter zu zeigen, denn sein Anliegen ist es, auf die Opfer zu verweisen, die zunehmend in Vergessenheit geraten, während der Rechtsradikalismus in Norwegen weiter wächst.

Das UTØYA 22. JULI für Erik Poppe eine politische Angelegenheit ist, nehme ich ihm ab, auch, dass es „das Allerwichtigste für mich war, diesen Film mit Würde umzusetzen – mit so viel Respekt vor den Opfern, Überlebenden, ihren Familien und Angehörigen wie nur möglich.“ Zugleich ist UTØYA 22. JULI eben doch auch eine packende Story, die nach Kinoregeln funktioniert und Kinothrill vermittelt, die viszerale Erfahrung von existentieller Gefahr, die wir normalerweise genießen, wohl wissend, dass wir jederzeit aufstehen und gehen können. Weder traut sich Poppe, die Regeln des Erzählkinos wirklich radikal zu brechen, wie Gus Van Sant das beispielsweise in ELEPHANT gemacht hat, noch dessen ganzes Potential auszuschöpfen, wie es Kathryn Bigelow jüngst in DETROIT mit großem Effekt vorgeführt hat. Aber wäre das besser? Wie sieht eine angemessene Verfilmung realen Terrors aus? Gibt es die überhaupt? Die Frage wird sich noch öfter stellen: Auf dem Festival in Venedig hat 22 JULY von Paul Greengrass (BLOODY SUNDAY, FLUG 93) Premiere, eine norwegische Fernsehserie über das Attentat soll 2019 anlaufen. Die erste Verfilmung des Stoffes erschien übrigens bereits 2012(!) – eine Trash-Schocker-Version von Vitaliy Versace.

„Wir müssen ein kollektives Bewusstsein schaffen, um die Leute daran zu erinnern, sie wütend zu machen und zur Diskussion und zum Handeln anzuregen – auf der Suche nach einer Antwort darauf, was wir tun können, um so etwas in Zukunft zu verhindern.“ sagt Erik Poppe über seine Motivation, UTØYA 22. JULI zu drehen. Wenn das gelingt, hat er auf jeden Fall die „richtige“ Form gewählt.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Utoya 22. juli
Norwegen 2018, 90 min
Genre: Drama
Regie: Erik Poppe
Drehbuch: Siv Rajendram Eliassen, Anna Bache-Wiig
Kamera: Martin Otterbeck
Schnitt: Einar Egeland
Musik: Wolfgang Plagge
Verleih: Weltkino Filmverleih
Darsteller: Andrea Berntzen, Aleksander Holmen, Brede Fristad, Elli Rhiannon Müller Osbourne
Kinostart: 20.09.2018

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Utøya 22. Juli

(Utoya 22. juli) | Norwegen 2018 | Drama | R: Erik Poppe

Am 22. Juli 2011 erschoss ein rechtsradikaler Attentäter auf der Insel Utøya 69 Menschen, die dort das Sommerlager der norwegischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei besuchten. Poppe erzählt das 72 Munten währende Attentat aus der Sicht eines der Oper in einer einzigen ungeschnittenen Kamerasequenz.

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