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Unser letzter Sommer

Jazzplatten und moralische Ambivalenz

Ostpolen, 1943. Mittem im Krieg lernen sich vier junge Leute kennen: der deutsche Rekut Guido, der polnische Heizer Romek, die Bauerntochter Franka und die Jüdin Bumia. Für einen Moment sieht es so aus, als könnten sie ein privates Glück im Schatten der Weltpolitik finden.

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Ostpolen, 1943. Der siebzehnjährige Deutsche Guido ist Rekrut eines Wachbataillons, das eine Bahnstrecke sichern soll. Eigentlich ein Etappenposten, auf dem er den Krieg ruhig überstehen zu können glaubt. Der Pole Romek ist genauso alt und Heizer, wäre aber lieber Lokomotivführer auf der Warschau-Strecke. Die sechzehnjährige Bauerntochter Franka hat eine Anstellung als Küchenhilfe im deutschen Posten bekommen. Zwischen den Dreien entwickelt sich eine gefährliche Dreiecksbeziehung. Michal Rogalskis Film UNSER LETZTER SOMMER, eine polnisch-deutsche Koproduktion, zeichnet seine Hauptpersonen als Menschen, die weder besonders gut, noch besonders böse sind, sondern zu beidem fähig scheinen. Guidos Begeisterung, als er Romek und Franka dabei überrascht, wie sie Jazzplatten hören, scheint so aufrichtig wie sein Anspruch auf eine Romanze, aber wie sehr er damit alle anderen und sich selbst gefährdet, und wie sehr er seine Machtposition ausnutzt, ist ihm nicht klar. Romek schwärzt den Geliebten seiner Mutter, der zugleich sein Vorgesetzter ist, wegen Diebstählen und Plünderei an, dabei durchwühlt auch er selbst Jacken, Mäntel und Koffer, die neben einer Bahnstrecke liegen, deren Ziel nie in Zweifel steht. Andererseits hilft er, wenn auch zunächst widerwillig, einer jungen Jüdin, die er verletzt neben der Bahnstrecke findet. Die moralische Ambivalenz der Figuren ist ein Motiv von Rogalskis Film, der Gegensatz zwischen der idyllischen Natur, dem Anspruch der jungen Leute auf privates Glück einerseits und der Realität des Kriegs und der Naziherrschaft andererseits. An diesem ländlichen Nebenschauplatz erscheinen die großen Verwüstungen nur in Form von Zeichen und Andeutungen. Man glaubt, sich arrangieren zu können. Wie falsch das ist, zeigt sich am Ende des Films.

Hannes Stein

Details

Deutschland/Polen 2015, 100 min
Genre: Drama, Historischer Film
Regie: Michal Rogalski
Drehbuch: Michal Rogalski
Kamera: Jerzy Zielinski
Schnitt: Milenia Fiedler
Musik: Alexander Hacke
Verleih: farbfilm Verleih
Darsteller: André Hennicke, Steffen Scheumann, Gerdy Zint, Jonas Nay, Filip Piotrowicz
FSK: 12
Kinostart: 22.10.2015

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