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Über die Unendlichkeit

Eins ans andere reihen

Ein Mann und eine Frau sitzen auf einer Bank, hoch über einer Stadt, im Himmel fliegt ein Schwarm Vögel vorbei. „Es ist schon September“ sagt die Frau, worauf der Mann nur antwortet: „Hmm.“

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Ein Mann und eine Frau sitzen auf einer Bank, hoch über einer Stadt, im Himmel fliegt ein Schwarm Vögel vorbei. „Es ist schon September“ sagt die Frau, worauf der Mann nur antwortet: „Hmm.“ Ein Paar schwebt hoch über dem vom Krieg zerstörten Köln, allein der mächtige Dom scheint kaum versehrt. Ein Mann trägt ein Kreuz durch die Gasse einer modernen Stadt, eine geifernde Menge um ihn. Im nächsten Moment wacht ein Priester, der seinen Glauben verloren hat, aus seinem Alptraum auf. Dies sind nur einige der Vignetten, die der schwedische Regisseur Roy Andersson in ÜBER DIE UNENDLICHKEIT zeigt. Gedreht hat er wie stets in seinem unverwechselbaren Stil, in starren Einstellungen auf meist komplett im Studio gebauten Sets, die detailgetreu, aber auch künstlich wirken.
Einen roten Faden in den Filmen Anderssons zu finden, ist nicht leicht, vielleicht auch vergeblich. Wiederkehrende Figur der Vignetten ist allein der Priester, der am Verlust seines Glaubens verzweifelt und auch von einem Psychiater nur Banalitäten erfährt. Dieses individuelle Schicksal stellt Andersson gegen Momente der Geschichte, neben dem zerstörten Köln etwa eine Szene mit Hitler im schon zerstörten Führerbunker oder deutsche Truppen, die im verschneiten Sibirien einer ungewissen Zukunft entgegengehen.
Fast alle Vignetten werden von einer weiblichen Erzählstimme kommentiert, deren kurze Bemerkungen stets mit „Ich sah einen Mann/eine Frau“ beginnen. Andersson hat sie mit Scheherazade, der Erzählerin der 1001 Nacht verglichen, auch sie eine Frau, die eine Episode an die andere reiht, Episoden, die manchmal kaum einen Bezug zu haben scheinen, dann wieder voller Assoziationen sind. Am Ende geht es hier wie da ums Überleben, darum, dem unweigerlichen Ende jedes Lebens etwas entgegenzusetzen.

Michael Meyns

Details

Originaltitel: Om det oändliga
Schweden 2019, 78 min
Genre: Drama
Regie: Roy Andersson
Drehbuch: Roy Andersson
Kamera: Gergely Pálos
Schnitt: Johan Carlsson, Kalle Boman, Roy Andersson
Verleih: Neue Visionen
Darsteller: Ania Nova, Lesley Leichtweis Bernardi, Martin Serner
FSK: 12
Kinostart: 17.09.2020

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