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Transit Havanna

Warten auf die OP

TRANSIT HAVANNA begleitet drei transsexuelle Kubaner*innen auf dem Weg zu einer geschlechtsangleichenden Operation, die einmal im Jahr von europäischen Spezialisten in Havanna durchgeführt werden.

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„Wenn jetzt ein Krieg ausbrechen würde, stell’ dir vor, die würden mich abholen und mich so sehen. Die würden einen Schlag kriegen.“ Odette ist Feldwebel bei der Reserveartillerie und gehört zu den besten Panzerfahrern Kubas. In ihren Papieren steht noch ihr alter Vorname, Osmani. Aber es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis auch der letzte und endgültige Schritt der Transformation von Osmani zu Odette vollzogen werden kann. Auch Malú wartet schon seit Jahren auf die Möglichkeit einer geschlechtsangleichenden Operation, wie sie dieses Jahr wieder von zwei europäischen Spezialisten durchgeführt werden wird. Für die engagierte Aktivistin der LGBT-Bewegung ist dieser Schritt „das wichtigste Ziel in meinem Leben.“ Dem würde sicher auch der lebensfrohe Juani zustimmen, der sich selbst als den ersten transsexuellen Kubaner bezeichnet und ebenfalls auf seinen großen Tag wartet. Juani ist bekannt, sogar die Präsidententochter Mariela Castro Espín besucht ihn im Krankenhaus. Als Direktorin von Cenesex, dem Nationalen Zentrum für Sexualaufklärung, will sie die (trans-)sexuelle Revolution ihres sozialistischen Landes beispielhaft vorantreiben und ermöglicht jedes Jahr einer Handvoll Personen eine kostenlose Geschlechtsangleichung. Regisseur Daniel Abma (NACH WRIEZEN) beobachtet die Effekte der überraschend progressiven Geschlechterpolitik des Karibikstaates anhand seiner drei Protagonisten und im Angesicht der Öffnung des Landes nach jahrzehntelanger Abschottung. Doch auch wenn der Staat mit seiner Gesetzgebung in Geschlechterangelegenheiten zur liberalsten Nation Lateinamerikas zählt, treten im Lauf des Films gesellschaftlich tief verankerte Machismen und religiös geprägte Ressentiments zutage, die zeigen, dass der innere Wandel dem verordneten äußeren hinterherhinkt und es am Ende doch schwerer fällt, als zunächst angenommen, verfestigte Denk- und Handlungsmuster zu überwinden.

Jens Mayer

Details

Originaltitel: Transit Havana
Deutschland/Niederlande 2016, 88 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Daniel Abma
Drehbuch: Alex Bakker
Kamera: Johannes Praus
Schnitt: Jana Dugnus
Musik: Alex Simu
Verleih: Rise & Shine
FSK: oA
Kinostart: 03.11.2016

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