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Tokyo Tribe

Sonos überdrehte Manga-Verfilmung

Grelle Verfilmung von Santa Inoues Unterwelt-Manga über einen Mafia-Lord, der diverse Gangs in Konflikte zieht. Shion Sonos neuer Film zieht jedes erdenkliche filmische Register und interessiert sich für die Grenzen guten Geschmacks nur insofern, als sie sich sprengen lassen.

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Mit STRANGE CIRCUS, LOVE EXPOSURE und COLD FISH hat sich Shion Sono in den letzten Jahren auch über Japan hinaus als Garant für drastisches, kreatives Kino etabliert. Ähnlich wie Takashi Miike positioniert er sich in der diffusen Zone zwischen durchgeknalltem Haudraufkino und festivalkompatiblem Asian Cinema mit Kunstkante, dem er bei aller Freude am entfesselten Exzess immer auch eine gesellschaftskritische Komponente unterzujubeln versteht.
So nimmt es nicht Wunder, dass seine Adaption von Santa Inoues bereits 1993 veröffentlichtem Manga sich für die Grenzen von gutem Geschmack und bravem Filmedrehen nur insofern interessiert, wie sich diese sprengen lassen: Geradezu gefräßig wühlt sich die Kamera in einer irrsinnigen Plansequenz durch die Unterwelt eines bonbon-artig leuchtenden, irrlichternd überfrachteten Fantasie-Neon-Tokios, wo ein schmieriger Mafia-Lord diverse aufs Stadtgebiet verteilte Gangs in Konflikte verstrickt. Natürlich geht es um Macht, Einfluss, um die Grenzen von Stadtvierteln - und nicht zuletzt um schöne Frauen.
Dass Sono diesen Film als fast durchgängig von Beats und Raps durchzogenes HipHop-Musical anlegt, ist als Idee fast am unspektakulärsten: Richtig atemberaubend ist der schiere Hunger, mit dem sich der Regisseur in der Pose des Mavericks beim Exploitationfilm der 70er genauso bedient wie beim japanischen Pop Cinema und allen anderen Strömungen, die für sein stets auf die Zwölf zielendes Kino Material liefern. Dabei zieht er jedes erdenkliche filmische Register, ist nie um einen wagemutigen Stunt mit der Kamera verlegen und zieht einfach jede Schraube noch ein bisschen weiter an, als man es erwarten würde. Grell, exzessiv, unbekümmert, einfallsreich - japanisches Kino, wie man es sich wünscht: völlig außer Rand und Band!

Thomas Groh

Details

Originaltitel: Tokyo Toraibu
Japan 2014, 116 min
Genre: Drama, Musical
Regie: Sion Sono
Drehbuch: Sion Sono, Santa Inoue
Kamera: Daisuke Sôma
Schnitt: Junichi Itô
Musik: B.C.D.M.G.
Verleih: AV Visionen
Darsteller: Akihiro Kitamura, Ryohei Suzuki, Hitomi Katayama, Hiroko Yashiki, Kokone Sasaki
FSK: 16
Kinostart: 16.07.2015

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