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Therapie für einen Vampir

Ohne Selbstreflexion auf der Couch

Graf von Kösznöm (Tobias Moretti) ist des Lebens überdrüssig, er hasst seine Frau, am liebsten würde er „ins Licht gehen“. Um aus seiner Depression herauszukommen, braucht er Hilfe, denn „Selbstreflexion ist nicht meine Sache“... Um den Vampir bei Freud im Wien zu Beginn des 20 Jahrhunderts hat David Ruehm eine sanfte und anspielungsreiche Persiflage gestrickt.

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Wien, Anfang des 20. Jahrhunderts. In einem Dachzimmer streiten sich der junge Maler Victor und seine Freundin Lucy. Er malt sie immer in blond und im tief ausgeschnittenen Kleid, sie trägt am liebsten Hosenanzüge und die braunen Haare hochgesteckt. In einer anderen Wohnung in einem besseren Viertel der Stadt empfängt der Psychoanalytiker Sigmund Freud einen neuen Patienten. Graf von Kösznöm (Tobias Moretti) ist des Lebens überdrüssig, er hasst seine Frau, am liebsten würde er „ins Licht gehen“. Um aus seiner Depression herauszukommen, braucht er Hilfe, denn „Selbstreflexion ist nicht meine Sache“. Treffen kann er sich aber nur nach Einbruch der Dunkelheit. Freud, den nur wenig überraschen kann, nimmt den Patienten an. Als der Graf bei einer Sitzung ein Gemälde von Lucy im Behandlungszimmer entdeckt und in ihr seine verflossene Geliebte Nadya zu erkennen meint, beginnen die Erzählstränge, sich zu verzwirbeln. Liebevoll hat David Ruehm die Standards der Vampirerzählungen um ein paar Elemente erweitert und daraus eine sanfte Persiflage gebaut, die im Tonfall an den TANZ DER VAMPIRE erinnert und optisch an die Studio-Ästhetik der Hammer Produktionen angelehnt ist: eine sorgfältig ausgeleuchtete Kunstwelt mit Grabsteinattrappen, im Mondlicht glitzernden Pflastersteinen und wenigen Spezialeffekten. Der sehr sorgfältig komponierte Plot verknüpft alle Mitspieler verschmitzt miteinander und handelt ganz nebenher in immer neuen verspielten Kombinationen vom Sehen und Gesehen werden, von Projektionen, Fantasien und Spiegelbildern. So wünscht Lucy sich, das ihr Freund sie endlich mal so sieht wie sie ist, während die Gräfin von Kösznöm darüber verzweifelt, dass sie ihr Gesicht nicht sehen kann und am Ende hat sogar der große Psychoanalytiker ein kleines Wahrnehmungsproblem.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Tobias Moretti auf der Couch
Österreich 2014, 87 min
Genre: Schwarze Komödie
Regie: David Ruehm
Drehbuch: David Ruehm
Kamera: Martin Gschlacht
Schnitt: Claudio Cea
Verleih: MFA+ Filmdistribution
Darsteller: Tobias Moretti, David Bennent, Jeanette Hain, Cornelia Ivancan, Dominic Oley
FSK: 12
Kinostart: 10.09.2015

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