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The Two Sights

Eins mit den Inseln

Ursprünglich wollte Joshua Bonetta nur einen Film über den Klang der schottischen Hebriden machen, doch ein Thema, das ihm immer wieder begegnete, war der Glaube, dass die Hebriden ein „soft place“ seien, ein Ort, an dem die Abgrenzung zwischen dem Leben und dem Jenseits weniger scharf ist.

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Ursprünglich wollte der kanadische Filmemacher Joshua Bonetta nur einen Film über den Klang der schottischen Hebriden machen, und sammelte dort Eindrücke der kargen Schönheit der Natur auf 16mm-Film, machte field recordings von Wellen und Fauna, und interviewte die Inselbewohner:innen. Ein Thema, das dabei immer wieder zur Sprache kam, war der Glaube, dass die Hebriden ein „soft place“ seien, ein Ort, an dem die Abgrenzung zwischen dem Leben und dem Jenseits weniger scharf ist, weswegen viele Bewohner:innen „Second Sight“ („das zweite Gesicht“) haben sollen, die Fähigkeit, Vorboten der Zukunft wahrzunehmen, die sich oftmals auf einen bevorstehenden Tod beziehen. Diese Menschen sehen Lichtstäubchen um einen Bart schweben, ihnen erscheint ein Tier, oder sie hören Geräusche, deren Bedeutung sich erst Jahre später auf dramatische Weise erschließt. Auf jeden Fall scheinen die Bewohner:innen eins zu sein mit der Atmosphäre der Inseln, sichtbar oder unsichtbar.
Ebenso ist auch THE TWO SIGHTS eine immersive Erfahrung, ein Bilderreigen aus Wellen, Heideland, Tieren und, selten, einem einzelnen Menschen. Der Ton gehört manchmal zu den gezeigten Bildern, oder zu Bildern, die vor einer Weile gezeigt wurden, oder aber noch erscheinen werden. Und immer wieder werden Geschichten aus dem Off erzählt, auf Englisch oder Gälisch, manchmal aus erster Hand, aber meistens überliefert, über die seltsamen Dinge, die schon immer auf der Insel passiert sind und dort so natürlich wie Ebbe und Flut scheinen.
Ob man die Geschichten glaubt oder sie als Aberglaube abtut, bleibt jedem selbst überlassen. Die Kraft von Bonettas Film aber ist unbestritten, und wenn man etwas Schlechtes über den Film sagen kann, dann nur, dass er traurig macht, diese spezielle Atmosphäre nicht vor Ort erleben zu können. Andererseits ist es im Kino aber auch wesentlich wärmer und trockener.

Christian Klose

Details

CDN/GB 2020, 90 min
Sprache: Englisch, Gälisch
Genre: Dokumentarfilm, Essayistischer Film
Regie: Joshua Bonetta
Kinostart: 01.01.1970

Vorführungen

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