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The Testament of Ann Lee

Asketin mit Messias-Komplex

Ann Lee, eine Asketin mit Messias-Komplex, gründete im 18. Jahrhundert die religiöse Gruppierung der „Shaker“. Ein Musical.

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THE TESTAMENT OF ANN LEE von Mona Fastvold gehört zu den auffälligsten Oscar-Snubs 2026: Der US-amerikanische Musicalfilm über das Leben der Sektenführerin Ann Lee ist weder für die üppigen Schauwerte noch für den herausragenden Score (Daniel Blumburg) nominiert noch für das Schauspiel von Amanda Seyfried. Jene liefert womöglich die Performance ihrer Karriere in der Rolle der leidgeprüften Asketin mit Messias-Komplex, die im 18. Jahrhundert die religiöse Gruppierung der „Shaker“ gründete und nach Amerika brachte. Es bleibt auffällig, dass die Academy von Frauen geleiteten Produktionen selten dieselbe Aufmerksamkeit schenkt wie Werken männlicher Kollegen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Film es seinen Zuschauer*innen nicht leicht macht, zu verstehen, was er ihnen genau sagen möchte – in der Uneindeutigkeit aber liegt gerade der künstlerische Reiz.

Die norwegische Schauspielerin und Filmemacherin Fastvold, die zuletzt als Co-Autorin am Drehbuch zu THE BRUTALIST (2024) arbeitete und hier erneut gemeinsam mit ihrem Partner Brady Corbet das Skript schrieb, nähert sich ihrer Hauptfigur und deren religiösem Eifer nicht aus einer neutralen oder gar kritischen Perspektive. Das in Tanz und Gesang getränkte Epos zeigt Ann Lees Werdegang als Konsequenz ihrer Zeit und ihres Daseins als Frau in betörenden, teils brutalen Bildern. In einer Welt, in der Gewalt als Erziehungsmethode, Sex als Sünde und Frauen als minderwertig gelten, findet sie Gemeinschaft in einer Abspaltung der Quäker, in der eine Frau als Priesterin agiert. Nachdem sie viermal schwanger wird, alle Kinder jedoch im Säuglingsalter sterben, gerät sie in eine psychische Krise und gelangt zur Erkenntnis: Sie selbst ist die Wiedergeburt Christi und muss ihre Anhänger durch ein Leben in Abstinenz und im Dienst Gottes ins Paradies führen.

THE TESTAMENT OF ANN LEE ist auch ein queerer Film: Er zeigt Lee als Frau, die grundsätzlich wenig Interesse an Sex und traditionellen Beziehungen zu haben scheint, und ihren Bruder William (Lewis Pullmann), der die Sekte an ihrer Seite leitet, als schwulen Mann – beide können weder in der englischen Gesellschaft noch in der christlichen Glaubensgemeinschaft sie selbst sein. Auch die Anziehungskraft der körperbetonten Rituale der „Shaking Quakers“, die beim Beten ins Zittern, Schreien und Tanzen verfallen, vermittelt der Film seinem Publikum in ästhetisierter Form – mit schwindelerregenden Choreografien zu auf Shaker-Hymnen basierenden Musikstücken, die regelmäßig für Gänsehaut sorgen. Die ambitionierte Inszenierung bei geringem Budget fasziniert ebenso wie die schwer zu greifende Erzählhaltung. So zieht Fastvold ihr Publikum in die Welt der Shaker hinein und lässt nachempfinden, was ihre Anhänger*innen dazu bewegt haben könnte, ihr Leben der Sekte zu verschreiben.

Eva Szulkowski

Details

Großbritannien 2025, 130 min
Sprache: Englisch
Genre: Biografie, Historienfilm, Musical
Regie: Mona Fastvold
Drehbuch: Mona Fastvold, Brady Corbet
Kamera: William Rexer
Schnitt: Sofía Subercaseaux
Musik: Daniel Blumberg
Verleih: The Walt Disney Company
Darsteller: Amanda Seyfried, Thomasin McKenzie, Lewis Pullman, Tim Blake Nelson, Stacy Martin
Kinostart: 12.03.2026

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The Testament of Ann Lee

Großbritannien 2025 | Biografie, Historienfilm, Musical | R: Mona Fastvold | Interview | NEUSTART

Ann Lee, eine Asketin mit Messias-Komplex, gründete im 18. Jahrhundert die religiöse Gruppierung der „Shaker“. Ein Musical.

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